Wem allein schon kapitalistisches Gehabe wie Todsünde schmeckt, der sei gewarnt: Es geht ganz schlicht um Geld, und zwar in satten Summen. Aber auch ein mit gesundem Erwerbssinn ausgestatteter Bürger, der es schätzt, die Früchte seines Strebens gelegentlich im Plüsch und Pomp einer noblen Traditionsherberge zu verleben, wird verschnupft sein: Es geht auch um Hotels – und zwar von jener Sorte, die scheibchenweise in Form von Aktien den Besitzer wechseln, die unpersönlichen zu internationalen Ketten gefügten Beherbergungsautomaten. Mit solchen Häusern ist das Spiel zu machen und das Geld. Der Imperativ „Acquire“ (Erwirb“!) – so heißt auch das Spiel – sagt es unmißverständlich.

Das Ziel des Spiels ist nicht eben lebensfern: Gewonnen hat, wer nach etwa zwei Stunden Spieldauer am reichsten ist. Bis zu sechs Teilnehmern können sich beteiligen; zu viert spielt es sich allerdings am besten, weil es flotter geht.

„Acquire“ ist eine Art in die Welt der Hochfinanz versetztes Monopoly, allerdings ohne Häuser und Hospital, ohne Bahnhof und Wasserwerk. Und vor allem ohne Würfel. Das Zufallsmoment ist eingeschränkt: Jeder Spieler muß mehrmals im Spiel genau gekennzeichnete, aber verdeckt liegende Steine (= Hotels) ziehen und sie in die identisch gekennzeichneten Parzellen auf dem Spielfeld plazieren.

Die Kunst: Wann plaziere ich welches Hotel? Denn sobald zwei Hotels auf benachbarten Parzellen zusammenkommen, ist eine Kette gebildet. Und dann geht’s los mit der kapitalistischen Akzeleration. Erst bekommt die Kette einen Namen, der ihren Marktwert bestimmt, dann gibt’s Gratisaktien für den Gründer und Aktien frei zum Kauf. Ketten werden fusioniert, andere Hotels einverleibt, Mehrheitsaktionäre belohnt, Minderheitsaktionäre ausgesteuert. Mit Pleiten werden die Schwachen äusgemendelt, bis mit fast naturgesetzlicher Konsequenz der geschickteste Raffer feststeht.

Für ganz ausgefuchste Monopoly-Fans, die die Macht des Würfels leid sind oder, sozialen Aufsteigern gleich, einen neuen Rahmen für ihr spielerisches Erfojgsstreben suchen, mag „Acquire“ interessant sein; gewiß auch für diejenigen, die ein Business-Spiel ohne Kinkerlitzchen schätzen. Ein überzeugender Beweis dafür, daß „erwerben“ spielen auch Spaß machen muß, ist „Acquire“ freilich nicht.

Merkwürdig: „Acquire“ von 3 M fällt nicht immer gleich aus. Mein Spiel war solid und ansprechend aufgemacht, wie von dieser Firma gewohnt und bei dem Preis auch zu erwarten, meine Freunde hatten eins, das einfach liederlich war: Aktien und Spielgeld in schlecht unterscheidbaren Farben, Markierungssteine für Hotelketten ohne Initialen und der Spielplan dürftig verarbeitet.

Thomas Walde

Acquire, 3 M (Düsseldorf), DM 45,–