Vor neun Jahren schloß der Welt größter Automobilhersteller, die General Motors Corporation (GM), mit der amerikanischen Regierung einen Vertrag über die Busproduktion. Danach verpflichtete sich das Detroiter Unternehmen, den Wettbewerb auf dem Markt für Omnibusse zu schützen.

Die Verpflichtung hat der Autogigant auf seine eigene Art erfüllt. Inzwischen stammen 90 Prozent aller in amerikanische Busse eingebauten Motoren von GM, und rund 70 Prozent der im Stadtverkehr eingesetzten Busse tragen ein GM-Markenzeichen. Edward Kennedy, Senator von Massachusetts, war dies Anlaß genug, die Antitrustbeamten des Justizministeriums auf die Fährte von GM zu setzen.

Die Initiative Edward Kennedys kommt nicht von ungefähr. Letzte Woche fanden in Washington Hearings über die Autoindustrie statt. Aufgabe der öffentlichen Anhörung ist der Plan des Justizministeriums, die Autoindustrie, die von den drei großen Namen GM, Ford und Chrysler beherrscht wird, in kleinere Unternehmen aufzuspalten.

Unterstützung fanden die GM-Fahnder inzwischen beim Bürgermeister von Los Angeles, Thomas Bradlay. Er beschuldigt den Autoriesen, in den Jahren von 1932 bis 1956 systematisch Nahverkehrsbahnen in Südkalifornien „gekillt“ zu haben.

1936 hatte GM gemeinsam mit Standard 0:1 of California und der Reifenfirma Firestone die National City Line (NCL) gegründet, die nach und nach die Straßenbahngesellschaft Pacific Electric aufkaufte. Später legte NCL die Strecken still und setzte Busse ein. Das Omnibusnetz sei aber immer mehr eingeschränkt worden, so daß Los Angeles inzwischen kaum noch Buslinien hat. Heute sind die Bewohner der riesigen Stadt fast ausschließlich auf Privatwagen angewiesen. In Los Angeles fahren vier Millionen Personenautos – knapp die Hälfte stammt von GM. ei