Einem Autofahrer, dessen Wagen ein französisches Kennzeichen trug, sind an einer Tankstelle in Deutschland drastische Vorwürfe gemacht worden. „Verstehen Sie Deutsch? Gut, dann soll Ihnen hier mal knüppeldick gesagt werden, was ihr Franzosen wieder alles kaputtmacht!“

Und schon hub die Strafpredigt an, wie übel die Franzosen mit ihrer Amerika- und Europapolitik den unschuldigen Deutschen wieder mitspielen. Der Autofahrer, der mit Staatspräsident Pompidou weder verwandt noch verschwägert ist und auch mit dem Außenminister Jobert nicht auf du und du steht, zog den Kopf ein, zahlte und sah, daß er schleunigst davonkam.

So, und jetzt gehe ich jede Wette ein, daß die Franzosen im allgemeinen von den Deutschen mehr wissen als die Deutschen von den Franzosen. Ein Mann, der viel dazu beigetragen hat, daß dem so ist, hat in diesen Tagen Frankreich verlassen: Josef Raczynki, der bisherige Leiter des Goethe-Instituts zu Paris. Zieht man eine Lehre aus seinem fast neunjährigen Wirken in der französischen Hauptstadt, so. ist sie eine Bestätigung des Satzes von André François-Poncet, es bestünde „der Sinn der Diplomatie vornehmlich darin, das eigene Land beliebt zu machen“.

Raczynki, der nach München berufen wurde, hat in der Tat dazu beigetragen, daß die Deutschen beliebt wurden. Das geschah ganz einfach durch Vermittlung von Wissen, wenn das so „ganz einfach“ nun auch wieder nicht ist. Vorträge, Filme, Konzerte, Ausstellungen – solch ein Programm ruft wohl die Bemerkung hervor: „Das Übliche.“

Doch nicht so sehr auf das Was, sondern auf das Wie kommt es an. Die Vorträge im Goethe-Institut eröffneten Gespräche und Diskussionen, oft leidenschaftliche. Die Ausstellungen hatten fast, immer eine besondere Note, wie die gegenwärtige, mit der Raczynki sich verabschiedete: „Deutscher Humor im Spiegel der Populärgraphik.“ Alte Graphik aus der überreichen Sammlung des Müncheners Günter Böhmer, die in der Pariser Auswahl wie durch ein Wunder einen eigenen Bezug zur Gegenwart zu haben schien. Die Gäste kommen zuhauf, wo doch die Franzosen allzuleicht. an der Begabung der Deutschen für Humor zweifeln. –

Es ist nun ein anderes Beispiel wirksamer Kulturarbeit zu nennen. In der vorigen Woche nahm Rolf Liebermann, der Chef der Pariser Großen Oper, im Palais Beauharnais das Große Verdienstkreuz entgegen, das ihm der Bundespräsident für seine Verdienste um die deutsche Oper verliehen hat.

Botschafter Sigismund von Braun sprach dabei von der Oper als einer elitären Kunst und wies doch zugleich auf die Fernsehfilme hin, die Liebermann nach den Inszenierungen seines Hamburger Hauses geschaffen hat. Übertragung einer exklusiven Kunstform auf das Forum der Massen.