„Mein lieber Freund, ich bin sehr froh, Sie wiederzusehen“, sagte der französische Außenminister Jobert auf deutsch, als er am Freitag seinen Kollegen Scheel in Bonn begrüßte. Drei Wochen nach den harten Kontroversen auf der Energiekonferenz in Washington waren beide sichtbar bemüht, „die jüngste Vergangenheit nicht noch einmal durchzukauen“, wie Jobert es ausdrückte, „sondern praktische Erfolge im täglichen Leben der europäischen Völker zu erzielen“.

Jobert hatte das Klima seines Arbeitsbesuches schon am Vortag durch entgegenkommende Äußerungen im deutschen Fernsehen aufgelockert. Er sprach davon, daß es sicher Bereiche gebe, in denen europäisches Handeln mit gewissem Verzicht auf Souveränität möglich sei.

Auch in der Frage des Verhältnisses Europa–Amerika gab es überraschend harmonische Töne. Scheel stellte auf der abschließenden Pressekonferenz fest, daß zwischen europäischer Eigenständigkeit und der Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten keine Priorität gesetzt sei. Bis 1980 solle die Europäische Union geschaffen werden, und sie werde Partner der USA im atlantischen Bündnis sein. Jobert, nach seiner Ansicht dazu befragt, antwortete schlicht: „d’accord.“