Von Peter Marchal

Vor einer Woche ging es an dieser Stelle um die Ausbildung und Aussichten von Journalisten bei der Presse („Entzauberter Traumberuf“, ZEIT Nr. 10, S. 34). Bei Fernsehen und Hörfunk ist manches anders, nicht zuletzt wegen ihrer andersartigen Struktur.

Was aus den TV-Studios und Funkhäusern nach draußen dringt, klingt eher noch traumhafter als das, was über das Innenleben der Presse berichtet, behauptet oder phantasiert wird. Die Gefahr, sich nur an den (wenigen) „Starjournalisten“ fehlzuorientieren, ist darum hier eher noch größer.

Im Fall des Fernsehens vernebelt der Ruhm ebenso flinker wie offenbar auch allwissender und allmächtiger Moderatoren, Kommentatoren oder Studio-Redakteure dem unkritischen Betrachter die Sicht; beim Hörfunk, dem etwas unscheinbaren Medienbruder des Bildschirms, sorgen für solche Illusionen vor allem fixe Live-Reporter oder behende Magazinmoderatoren, denen zu jedem Thema etwas einzufallen scheint.

Das ist nicht ganz ungefährlich – vor allem für den, der aus einer derartigen Vorstellungswelt ernsthafte Berufswünsche abzuleiten sucht. Was sich bei der Presse als zahlenmäßiger Rückgang der Vollredaktionen auswirkt, ist bei ARD und ZDF der seit Jahren vorhandene Planstellenstopp, ja der Versuch, sich auf „natürliche“ Weise gesundzuschrumpfen. Die Stagnation des Gebührenaufkommens bei gleichzeitiger Kostensteigerung (Farbfernsehen, Stereophonie) sind der Grund dafür.

Auf die Stellen, die vielleicht doch neu besetzt werden, wartet das Heer der ständigen freien Mitarbeiter. Ihr Interesse an einer festen Stellung ist nur zu verständlich: Sie schreiben, redigieren, sprechen und moderieren zwar ebenso wie die festangestellten Journalisten; nur sind sie quasi „Tagelöhner“, bar des gesetzlichen Kündigungsschutzes, ständig um angemessene Honorare kämpfend.

Mit anderen Worten: Anders als die Presse, wo der Zugang über das Volontariat üblich geworden ist, betreiben die Rundfunkanstalten überwiegend Selbstversorgung. Sie haben es offenbar gar nicht nötig, allzu viel für den journalistischen Nachweis, für die Volontärsausbildung zu tun. Allemal finden sich noch frische, unverbrauchte Kräfte in den großen (Universitäts-)Städten, wo die meisten Anstalten ihren Sitz haben.