Ballon-Fahrer wie Thomas Gatch suchten immer wieder das Abenteuer, doch viele fanden den Tod

Von Jürgen S.Holm

Sogar seriöse Nachrichtenagenturen wie dpa sprachen von einer Fata Morgana. Und ein Wunschbild, war es wohl auch, das den 48 Jahre alten amerikanischen Junggesellen Thomas Gatch bewog, mit einem Freiballon zu versuchen, den Atlantik in West-Ost-Richtung zu überqueren.

Solche Versuche sind aus einer ganzen Reihe von Gründen reizvoll. Einmal, weil es bisher noch nie jemand geschafft hat, obwohl es schon etliche Versuche gegeben hatte. Zum zweiten gibt es die Legende, die auch von seriösen Meteorologen unterstützt wird, daß in etwa 10 000 Meter Höhe eine stetige Winddrift den Ballon (in dem Fall von Gatch ist es eine rundherum geschlossene, auf Astronautenstyle geschnittene und seefeste Kapsel) mit Sicherheit über den Atlantik treibe.

Das mag richtig sein. Die Schwierigkeit für den Ballonfahrer allerdings dürfte darin bestehen, in der richtigen Höhe den rechten Windstrom zu erwischen. Mit anderen Worten: Kein anderes Sport- oder Abenteuergerät ist mehr vom Zufall abhängig als der Ballon. Oder vom Unfall Denn das Helium, auch wenn es in anfangs zehn Einzelballons gespeichert ist, kann den mutigen Pionier unversehens in so große Höhen tragen, daß es nur zwei Möglichkeiten gibt:

  • Alle Ballone dehnen sich in der dünnen Höhenluft so weit aus, daß sie platzen. Das würde bedeuten, daß die Kapsel, dem Gesetz der Schwerkraft folgend, irgendwo auf Land oder Meeresoberfläche stürzen würde. Natürlich könnte kein Mensch einen solchen Sturz lebend überstehen.
  • Der Ballonfahrer läßt, angesichts dieser Gefahr, zu viel Helium aus den Ballonen ab. Dann gerät er in niedrigere Zonen, unter Umständen auch einmal in eine Windstille, und einsam hängt er, um eine populäre Floskel für Hilflosigkeit zu wiederholen, in der Luft.

Dreißig Jahre Vorbereitung