Mit der Eröffnung der ersten offiziellen touristischen Vertretung in Köln reiht sich Polen nun auch äußerlich in die Phalanx jener Länder ein, die um reiselustige Bundesbürger werben.

Wenn Polen etwas tun, dann aber gleich richtig und mit Sinn für Wirkung. Der Direktor der Polorbis Reiseunternehmen GmbH, Jozef Rutkowski, ist ein bekannter 100-Meter-Läufer und war Betreuer der polnischen Olympiamannschaft in München. Und offenbar haben die Polen ganz präzise Vorstellungen, was sie in einem kapitalistischen Land ihren Kunden schuldig sind: Bei der Verwandlung eines ehemaligen Autosalons in eine grüne Teppichbodenlandschaft muß der Architekt an die Wälder Masurens gedacht haben; große Transparente tun ein übriges, dem Beschauer Lust auf Polen zu machen.

Auch ohne das komfortable Büro kamen im vergangenen Jahr 120 000 Touristen (1972: 50 000) und 80 000 Geschäftsreisende aus der Bundesrepublik nach Polen, und mit einer Zuwachsrate von 15 bis 20 Prozent verbreitet man dort einen in diesem Frühjahr fast unzeitgemäßen Optimismus. Bis zu 2000 Visa-Anträge bearbeitete die Konsularabteilung der Botschaft im letzten Sommer. Der größte Pauschalreiseveranstalter für Polen, die Hummel-Reisen in Hannover, beförderten allein mehr als 8000 Reisende nach Schlesien, Pommern und Masuren, Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer von acht Tagen im Sommer 1970 (vor dem Vertrag) verlängerte sich auf 21 Tage im Sommer 1973.

Nachzuhelfen brauchte man dem Polenboom also kaum. Eher handelt es sich darum, wie der polnische Botschafter Waclaw Piatkowski bei der Eröffnung des neuen Büros sagte, bessere Voraussetzungen für die „Verstärkung der menschlichen Kontakte“ zu schaffen, wie sie im deutschpolnischen Vertrag vorgesehen sei.

Bereits seit Juni vergangenen Jahres hat sich für Polenreisende die langwierige Visaprozedur vereinfacht. Bis dahin erhielten sie ein Visum im günstigsten Fäll innerhalb Wochenfrist, heute warten sie maximal drei Tage, oft sogar nur Stunden. Nach der Einrichtung des neuen Büros können sie zwischen der Antragstellung bei der Botschaft und dem Polorbis-Arrangement wählen.

Freilich kostet die Bequemlichkeit, den ganzen Urlaub durch ein Reisebüro organisieren zu lassen, ihren Preis: Polorbis nimmt 20 Mark Bearbeitungsgebühr, die auf den Visapreis von 24 Mark aufgeschlagen werden. Das ist um so unerfreulicher, als ein Polenurlaub für Einzelreisende durch den Pflichtumtausch von 20 Mark pro Tag (für Jugendliche bis zu 26 Jahren beträgt er zehn Mark, bei Kindern bis zu 16 Jahren entfällt er ganz) ohnehin nicht gerade billig ist.

Mit Erleichterung vermerkt der Poleninteressent aber, daß heute der Nachweis einer Hotelunterkunft nicht mehr erforderlich ist. Und mit Pragmatismus, wie er seit je polnische Politik charakterisiert, werden nun auch touristische Lücken zugezimmert: Bis zur Fertigstellung der Hotels, die an vielen Orten im Bau sind, hat man sich auf die bürgerliche Tradition der Privatquartiere besonnen.

Hierüber sowie über Bade-, Angel-, Reit- und Segelurlaub, über Rundreisen und Kongresse gibt die Polorbis Reiseunternehmen GmbH, 5 Köln 1, Hohenzollernring 99–101, Telephon (02 21) 52 11 85-9, Auskunft. B. v. J.