Keine acht Monate war die 35. italienische Nachkriegsregierung im Amt; sie hat damit die durchschnittliche Lebensdauer ihrer Vorgänger von 9,6 Monaten noch beträchtlich unterboten. Im Rücktritt des Kabinetts Rumor am Wochenende sahen die krisenerfahrenen Römer allerdings nur Theaterdonner, weil sich zur Zeit eine mögliche Alternative zur Mitte-Links-Koalition nirgends zeigt. Allgemein wurde deshalb erwartet, daß die bisherigen Partner – Christliche Demokraten, Republikaner, Sozialdemokraten und Sozialisten – sich ungeachtet der wirtschaftspolitischen Differenzen zwischen Republikaner! und Sozialisten von neuem gemeinsam an die Arbeit machen würden, den italienischen Karren aus dem Dreck zu ziehen.

Auslösendes Moment für die Regierungskrise war der Rücktritt des republikanischen Schatzministers La Malfa. Er hatte bei der Weltbank ein Darlehen von 1,2 Milliarden Dollar locker gemacht, sollte aber dafür zusagen, daß das italienische Haushaltsdefizit durch Blockierung öffentlicher Ausgaben verringert wird. La Malfa war dazu bereit, weil die Inflationsbekämpfung durch Ausgabenverringerung ohnehin auf der politischen Linie der Republikaner liegt.

Gegen die Auflage der Weltbank empörte sich jedoch der sozialistische Haushaltsminister Giolitti. Er sieht in Ausgabenkürzungen eine Gefährdung der Sozialreformen, für die die Sozialisten sich bei der Regierungsbildung im vorigen Sommer verbürgt hatten, und verlangte neue Verhandlungen mit der Weltbank. Auf dieses Ansinnen reagierte La Malfa mit Demission.

Die Regierungskrise wurzelt also in der Grundsatzfehde um die italienische Wirtschaftspolitik. Die Sozialisten wollen den Kurs des leichten Geldes trotz einer Inflationsrate von 15 bis 18 Prozent nicht aufgeben. Die Republikaner aber sehen in Restriktionen das einzige Mittel gegen Teuerung und Streiks. Diesen Prinzipienstreit wird Rumor auch in die 36. Regierung mit hinübernehmen müssen, wenn er sie zustande bringt.