Noch vor wenigen Wochen mußten die Bosse der internationalen Fluggesellschaften befürchten, nicht genug Kerosin für ihre Düsenflugzeuge kaufen zu können. Die Panik hat sich gelegt. Inzwischen klappt der Nachschub auf allen wichtigen Flughäfen wieder reibungslos.

Doch so richtig froh ist trotzdem niemand. Denn das Kerosin ist teilweise um bis zu 300 Prozent teurer als vor dem Nahostkrieg. Aber nicht diese Tatsache erbost die Branche. Vielmehr beschweren sich die Fluggesellschaften auch über ungleiche Behandlung bei der Belieferung und auch darüber, daß für ein und dasselbe Produkt von verschiedenen Käufern unterschiedliche Preise verlangt werden.

British Airways, die staatliche englische Fluggesellschaft, hat sich über die „chauvinistische Preispolitik“ in Amerika bei der zivilen Luftfahrtbehörde (Civil Aeronautic Board = CAB) beschwert. Die Engländer haben Beweise dafür, daß ausländische Fluggesellschaften gegenüber der amerikanischen Konkurrenz benachteiligt werden.

Während Briten, Franzosen und Deutsche nur „bonded fuel“ (versteuertes Kerosin) zum Kauf angeboten wird, können die Amerikaner günstiger einkaufen. Sie werden mit Kerosin beliefert, das für den nationalen Markt bestimmt ist und der Preiskontrolle unterliegt.

Aber nicht nur in Amerika gibt es Ärger mit dem Kerosin. Auch in europäischen Ländern werden die Liniengesellschaften beim Kerosineinkauf benachteiligt. In vielen Ländern bekommen die nationalen Gesellschaften den Treibstoff zu subventionierten Preisen, die Ausländer müssen den höheren „Marktpreis“ bezahlen.

Auch die im Urlaubsverkehr tätigen Charterfluggesellschaften sind von dieser Preispolitik betroffen. So klagen die Ferienflieger über Spanien. Dort bezahlen die nationalen Chartergesellschaften nur 14 Pfennig pro Liter Kerosin, den Ausländern werden hingegen 36 Pfennig in Rechnung gestellt. Ähnlich liegen die Verhältnisse in den osteuropäischen Urlaubsländern Rumänien und Bulgarien.

Die deutschen Reiseveranstalter haben bereits auf die unterschiedliche Behandlung reagiert. Sie haben Flugketten bei den deutschen Charterfluggesellschaften storniert und fliegen statt dessen mit den nationalen Gesellschaften, die wegen der günstigen Preise billiger anbieten. Neckermann soll bereits erhebliche Aufträge bei Condor storniert haben und nun mit der spanischen Spantax fliegen.