Von Heinz-Günter Kemmer

Als der Bergingenieur Enno Schubert seine ersten Brötchen in der Wirtschaft verdienen wollte, hatte der Niedergang des deutschen Steinkohlenbergbau bereits begonnen. Und Schubert war schon damals zu pfiffig, ein sinkendes Schiff zu betreten. Vier Jahre Assistententätigkeit (von 1956 bis 1959) am Institut für Mineralogie und Lagerstättenlehre der TH Aachen hatten ihn davor bewahrt, gleich nach dem Studium vielleicht doch noch auf den falschen Zug zuspringen.

Schubert, der seine Assistentenzeit zur Promotion genutzt hatte, suchte dennoch nach einem Job im Bergbau – Kali schien ihm eine feine Sache. Aber die Wintershall AG, bei der sich der damals Siebenundzwanzigjährige bewarb, suchte einen Mann fürs Öl. So wurde Enno Schubert Lagerstätteningenieur. Seine wesentliche Aufgabe war es, so wirtschaftlich wie möglich Öl zu fördern und die Grenzen zwischen zusätzlichem Aufwand und zusätzlicher Förderung genau Aufstecken.

Von da an ging’s bergauf. 1964 wechselte Schubert das Ölfeld mit dem Schreibtisch, die Wintershall AG mit der Gelsenkirchener Bergwerks-AG in Essen, die heute, obwohl weder in Gelsenkirchen sitzend noch Bergbau betreibend, Gelsenberg AG heißt. Hier wird Schubert 1967 Direktor, seit August 1969 ist er Vorstandsmitglied und unbestrittener „Ölmann“ von Gelsenberg.

Seine „Ölaktivitäten“ gehen allerdings über Gelsenberg hinaus. Der 44jährige hat sich längst den Ruf erworben, unter den deutschen Ölleuten die Nummer eins zu sein. Deshalb darf man sicher sein, daß Enno Schubert gefragt wird, ehe man in Bonn über Ölprobleme entscheidet. Daß dabei sein Rat gelegentlich auch in den Wind geschlagen wird, zeigt das Bonner Konzept für eine schlagen Mineralölgesellschaft.

Schubert hat den Ministerien sicher nicht geraten, Gelsenberg von der Veba schlucken zu lassen. Er steht vielmehr loyal zu den Vorstellungen seines Vorstandsvorsitzenden und Studienkollegen Walter Cipa, der die sogenannte Veba-Lösung wie die Pest haßt. Und obwohl Schubert nicht fürchten muß, bei einer Machtübernahme durch die Veba auf der Strecke zu bleiben, plädiert er für eine andere Form der Zusammenfassung deutscher Ölinteressen. Der Versuch, einen Keil zwischen ihn und Cipa treiben zu wollen, sei unsinnig, so sagt Schubert.

Das Ölgeschäft, meinen manche, könne man so richtig nur bei den internationalen Konzernen lernen. Schubert, der nie bei einem der großen „Multis“ gearbeitet hat, bestätigt das. Seine Lehrherren waren die Bosse von Mobil Oil, mit denen Gelsenberg reichlich zu tun hatte. Immerhin war die Existenz des Unternehmens durch einen Vertrag mit Mobil bedroht, der in der Nachkriegszeit zur Sicherung der Versorgung abgeschlossen worden war. Die damals fixierten Preise, für Rohöl hätten Gelsenberg ruiniert.