Nach der 11:12-Niederlage gegen Dänemark, in ihrem ersten Spiel im Turnier um die Hallenhandball-Weltmeisterschaft in Karl-Marx-Stadt (Chemnitz), wurde die Mannschaft der Bundesrepublik Deutschland gleich noch einmal geschlagen, und zwar mit Schlagzeilen auf den Tageszeitungssportseiten: „Bankrott des westdeutschen Teams“ (Frankfurter Allgemeine), „Handballer mit ihrem Latein schon am Ende“ (Süddeutsche Zeitung), „Im Nationaltrikot spielen sie wie in der Zwangsjacke“ (Die Welt). In der Tat wirr und irr und zudem ziemlich langsam hatte die Mannschaft gespielt. Enttäuschung und Ärger saßen tief.

So gut Vereinsmannschaften aus der Bundesrepublik, allen voran der VfL Gummersbach, auch sein mögen, so schwach wirkt seit Jahren schon die Nationalmannschaft im Hallenhandball. Bei den Olympischen Spielen 1972 mußte sie sich, entgegen allen Medaillenerwartungen, mit einem sechsten Platz begnügen; und zwei Jahre zuvor, bei den Weltmeisterschaften 1970 in Paris, war sie auch nur Fünfte geworden. Nach dem Debakel von München wurde der Bundestrainer Werner Vick abgelöst. An seine Stelle ist Horst Käsler getreten, einst einer der allerbesten deutschen Handballspieler, von Beruf mittlerweile Didaktikprofessor in Berlin. Der miserable Auftakt in Karl-Marx-Stadt ließ von irgendeiner neuen Erfolgsmethode freilich nichts erkennen; und der Auftakt war schon das Ende: Gegen Island wurde zwar mit 22:16 Toren gewonnen; aber gegen die CSSR verlor die Nationalmannschaft der Bundesrepublik dann wieder 11:17. Bei Halbzeit lag sie noch 7:6 in Führung. Dem furiosen Endspurt der Tschechen war sie jedoch nicht gewachsen.

Zum ersten Male also blieb die Hallenhandball-Nationalmannschaft schon in der Vorrunde der Weltmeisterschaft stecken, kam sie nicht unter die letzten acht. Und wenn das bei weitem nicht soviel Aufregung erregt, wie man es im Fußball erleben könnte, so ist es doch eine der schwärzesten Niederlagen, die der Hochleistungssport der Bundesrepublik überhaupt erlitten hat.