Ganz Indien schaute auf Uttar Pradesh, den volkreichsten Unionsstaat. Die Wahlen in der Heimatprovinz von Indira Gandhi – 90 Millionen Einwohner – galten als Gradmesser für das Ansehen der Premierministerin.

Mit 215 von 425 Sitzen – zwei über der absoluten Mehrheit – behauptete sich die Kongreßpartei überaus knapp. 56 Mandate büßte sie ein.

Die umstrittene Wahlallianz mit den moskautreuen Kommunisten – bisher vier, jetzt 16 Sitze – verbreitert zwar die verbliebene schmale Machtbasis der Verlierer im neuen Parlament. Doch zeigt der Rückschlag, daß Indira Gandhis Vertrauenskapital, das sie besonders durch den Sieg über Pakistan im Dezember 1971 gesammelt hatte, weitgehend verbraucht worden ist.

In Uttar Pradesh hat die wichtigste, aber nicht die einzige Wahl stattgefunden. Im Gliedstaat Drissa ( 22 Millionen Einwohner) verlor die Kongreßpartei mehr als 20 Sitze und damit die absolute Mehrheit. Hier kann sie ohne die ebenfalls verbündeten Kommunisten gar nicht mehr regieren. Beide zusammen haben 76 von 147 Mandaten.

Noch schlechter ist das Ergebnis in den östlichen Provinzen Manipur und Nagaland. Hier setzten sich andere Parteien durch. Die Anhänger der Ministerpräsidentin reden in den neugewählten Landesregierungen überhaupt nicht mehr mit. Für Indira Gandhi bedeutet dies aber, speziell in Nagaland, nicht nur einen Machtverlust. Dadurch, daß eine gemäßigt nationalistische Gruppierung in dem von Separatismus bedrohten Nordosten ans Ruder kam, wird den Rebellen der Wind aus den Segeln genommen. Die hier siegreiche „Demokratische Front“ will mit den Sezessionisten verhandeln.

Nagaland hat für Indien strategische Bedeutung, weil es über den unruhigen Norden Burmas indirekt an China grenzt. Die Mehrheit der ethnisch von den Indern unterschiedenen Nagas sieht aber eine Unabhängigkeit nicht mehr als praktikable Möglichkeit an.

Da die Kongreßpartei auch im südöstlichen Pondicherry keine Mehrheit gewann, haben ihr die fünf Regionalwahlen zusammen nur zwei dürftige Erfolge – einer davon mit fremder Hilfe – verschafft.

Sprechen auch überall regionale Probleme mit, so spiegeln die Ergebnisse doch die indische Großwetterlage wider. Nehrus Tochter hat ihre Wahlversprechen von 1972 nicht eingelöst.