In einer von Emotionen und Propagandaaktionen angeheizten Atmosphäre wird der Bundesrat in dieser Woche über den Tempostopp auf Autobahnen zu entscheiden haben. Ob sich die Vernunft gegen den Stoßtrupp der Interessenten und Verharmloser durchsetzen wird, ist nach wie vor offen.

Zwei Gründe sprechen in der Tat für die Regierungsvorlage, in Zukunft auf Autobahnen nur noch Tempo 130 zu fahren.

Erstens: Es besteht ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen Tempostopp und Unfallzahlen. Daß die alarmierenden deutschen und internationalen Untersuchungen dazu in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt geblieben sind, hat sich der Bundesverkehrsminister selber zuzuschreiben. Kein Wunder, daß in der Bundesrepublik zwischen Behauptungen und Tatsachen noch nie eine solche Diskrepanz bestand wie in der Tempodiskussion.

Zweitens: Auch in Zukunft haben wir allen Grund, unseren Treibstoffverbrauch niedrig zu halten. Nur ein vernünftiges Tempolimit wird auf lange Sicht den motorisierten Individualverkehr überhaupt noch möglich machen. Auch diese Zusammenhänge hat die Bundesregierung nur ungenügend dargestellt.

Wenn der Bundesrat die Regierungsvorlage durch faule Kompromisse weiter durchlöchert, wird keines der angestrebten Ziele erreicht werden: Weniger Tote und Verletzte auf Autobahnen und sparsamer Verbrauch der kostbaren Energie. Es bleibt nur zu fragen: Wozu dann das ganze Geschrei? F. R.