Peter Coulmas: „Radio ohne Zukunft? Wiederkehr und Wandel eines Mediums.“ Die kleine Schrift, entstanden aus Vorlesungen an der Universität Münster, ist die reflektierende Bilanz eines Rundfunkmannes, der 20 Jahre als freier Schriftsteller, seit 1968 als Kommentator und Redakteur am WDR Glanz und Niedergang und Renaissance des Hörfunks erlebte: die publizistische Monopolstellung in der Nachkriegszeit, das zeitweise Mauerblümchendasein in der Konkurrenz zum aufstrebenden Fernsehen („Dampfradio“) und die Wiedergewinnung der Hörergunst seit Mitte der 60er Jahre infolge seines Aktualitätsvorsprungs und seiner Informationsdichte. Heute müssen Hörfunk und Fernsehen als einander ergänzende, spezifische Aufgaben erfüllende, nur in Leistung und Qualität miteinander konkurrierende Medien erkannt werden. Die vom Bild und den Einschaltquoten faszinierten Intendanten vermochten eine aus einem einheitlichen Anstaltswillen entspringende Programmplanung jedoch nicht zu entwickeln, die für die einzelnen Medien bewußt Verzichte auf bestimmte Programmteile erfordert. Sport etwa ist Reservat des Fernsehens, Musik des Hörfunks. Den Bildern vom Mond hat der Hörfunk nichts entgegenzusetzen; komplizierte geistige oder politische Zusammenhänge eignen sich nicht für die optische Dimension. (Verlag A. Fromm, Osnabrück, 1973; 71 S., 6,– DM.)

Marianne Kesting: „Der Dichter und die Droge. Zur Ästhetik und Soziologie des Rauschs.“ Fast alle englischen und französischen Dichter des vorigen Jahrhunderts haben Rauschmittel genommen. Dafür gab es soziale und ästhetische Gründe. Traum und Rausch dienten einerseits dem utopischen „Gegenentwurf“ des isolierten Ich, andererseits der Recherche des Bewußtseins und der Imagination, deren einzelne Gesetzmäßigkeiten bis heute die moderne nichtrealistische Dichtung bestimmen. Sie offenbaren, daß auch in der dichterischen Imagination keine „andere“ Welt erscheint als die komprimierte unserer eigenen Erfahrung. (Verlag Constantin Post, Köln, 1973; in 115 signierten und numerierten Exemplaren gedruckt mit einer signierten und numerierten Radierung von Arnulf Rainer; 44 S., 125,– DM.)