Von Kurt Wendt

Ist die Karriere des "Finanzgenies" Günter A. Wagner beendet? In der vergangenen Woche durchsuchten Beamte der Kriminalpolizei, der Staatsanwaltschaft und der Steuerfahndung die Geschäftsräume der Von ihm beherrschten Kamerun-Eisenbahn-Gesellschaft – Auslandsgeschäfte und Unternehmensbeteiligungen Wagner Computer, Berlin. Ermittelt wird gegen zwölf Personen der Wagner-Gruppe, darunter auch gegen Günter Wagner, wegen des Verdachtes auf Untreue, Betrug und Steuervergehen.

In die Ermittlungen nicht einbezogen ist die Kämmerei Döhren AG, Hannover, obwohl sie zwei. Drittel des 27 Millionen Mark betragenden Aktienkapitals von Wagner Computer besitzt. Sowohl bei Kämmerei Döhren als auch bei Wagner Computer ist Günter Wagner Aufsichtsratsvorsitzender.

Daß sich bei der Wagner-Gruppe dramatische Entwicklungen anbahnten, war schon im vergangenen Jahr erkennbar, als der bekannte, im Aktienrecht erfahrene Münchner Rechtsanwalt Lois Erdl sowohl auf der Hauptversammlung der Kämmerei Döhren als auch der Wagner Computer als engagierter Opponent auftrat. Erdls Auftraggeber ist der Wirtschaftsberater Hans Keilholz aus Rheydt, eng verbunden mit der westdeutschen Textilindustrie. Keilholz, der zwei oder drei Döhren-Aktien besitzt, beauftragte Erdl, "zu prüfen, ob in der Wagner/Döhren-Gruppe alles mit rechten Dingen zugeht".

Voran ging eine recht merkwürdige – Kapitalverflechtung beider Unternehmen. Ausgangspunkt war der Kapitalbedarf von Günter Wagner, der seinen fünf Berliner Abschreibungsfirmen, tätig in der Computerentwicklung und -fertigung, dringend Betriebsmittel zuführen mußte. Dazu erwarb er zu Minikursen die Anteile der ehemaligen Kolonialgesellschaft Kameruner Eisenbahn-Gesellschaft, deren Papiere an der Hanseatischen Wertpapierbörse aus alter Tradition noch amtlich notiert wurden. Er hoffte, über ständige Kapitalerhöhungen eine Geldquelle anstechen zu kennen. Aber die deutschen Banken machten nicht mit. In Hamburg wurde die amtliche Notiz von Kameruner Eisenbahn bis auf weiteres ausgesetzt. Deutsche Banken wollten nicht einmal, mehr als "Zahlstelle" fungieren. Sie nahmen Anstoß an Wagners Finanzierungspraktiken.

Im vergangenen Jahr fand Wagner endlich die von ihm dringend benötigten Millionen. Und zwar bei der Kämmerei Döhren AG, Hannover, wo Ulf Cloppenburg, Mitglied der gleichnamigen Textilhändler-Familie, mit Hilfe Schweizer Geldgeber, wie er behauptet, ein einflußreiches Aktienpaket zusammengekauft hatte. Cloppenburg, der sich gern als Textilsanierer bezeichnet, schloß kurzerhand die unrentable Kämmerei und verkaufte den gesamten Grundbesitz an die gewerkschaftseigene "Neue Heimat" für rund 50 Millionen Mark. Cloppenburg gibt vor, seine Schweizer Hintermänner nicht zu kennen; er verhandelt lediglich mit einer Schweizer Großbank, die ihm für seine Transaktionen grünes Licht geben muß.

Statt nun die Kämmerei Döhren aufzulösen und die 50 Millionen an die Aktionäre zu verteilen, machte sich Cloppenburg auf die Suche nach anderen reizvollen Aktivitäten. Dabei stieß er auf den gerade geldhungrigen Wagner, der ihm Wagner-Computer-Aktien im Nominalwert von 18 Millionen Mark zum Preis von 200 Prozent, also für 36 Millionen, verkaufte.