Von Ronald Granz

Meldungen von Autohalden verschrecken derzeit potentielle Autokäufer. Viele von ihnen fürchten, daß sie wegen der Absatzflaute in der Automobilindustrie an Stelle eines fabrikneuen Autos womöglich einen Wagen bekommen, der bereits viele Monate in Wind und Wetter auf einem Abstellplatz vor sich hin rostete.

Die Furcht, mit dem neuen Wagen einen alten zu kaufen, ist nicht unbegründet. Denn in der Tat beklagen viele Händler in der Bundesrepublik überfüllte Lagerplätze. Und auch hinter den Fabriktoren der Automobilwerke sieht es schlimm aus. Bei BMW in München beispielsweise stehen 10 000 Fahrzeuge still, bei Ford 20 000 Autos und bei Fiat in Kippenheim warten gar 26 000 Wagen auf Käufer.

Insgesamt gibt es in unserem Land 300 000 Autos aus deutscher und 80 000 Wagen aus ausländischer Produktion auf Abstellplätzen. Wie lange sie dort stehen, bis sie einen Besitzer finden, richtet sich nach der Nachfrage und ist von Werk zu Werk unterschiedlich. Es können Monate, im Einzelfall sogar Jahre sein. Das wahre Alter seines Wagens erfährt der Käufer in der Regel nicht. Denn wann der Wagen wirklich produziert wurde, darüber steht nichts in den Autopapieren, und auch Händler haben zumeist keine Ahnung davon.

Können fabrikneue Wagen, die monatelang der Witterung ausgesetzt sind, nicht Schaden an Motor und Karosserie nehmen? Die meisten Automobilhersteller versehen den Lack und teilweise auch den Unterboden ihrer Fahrzeuge mit einer einen Millimeter dicken – Wachsschicht, die gegen Rost schützen soll.

Fachleute sehen in der Wachskonservierung allerdings kein Allheilmittel gegen Rost und Umwelteinflüsse. Diplomingenieur Gustav-Adolf Albers, Werkstoffspezialist an der Hamburger Fachhochschule für Fahrzeugtechnik: „Je nach Witterung und ungünstiger Lagerung besonders in Nähe von Industriegebieten bilden sich häufig am Wagen mikroskopisch kleine Korrosionsstellen, die dann erst Monate später Sichtbarwerden.“

Aber auch die Motoren sind bedroht: Durch die monatelange Zwangsruhe bildet sich in den Zylindern Kondenswasser. Rost ist die mögliche Folge. Automobilhersteller versuchen deshalb, die Aggregate mit speziellen Einfahrölen funktionstüchtig zu erhalten. Das verringert zwar das Rostrisiko, aber wie lange dieses Öl schützt, ist noch unbekannt. Dafür droht anderer Schaden: „Verkürzte Lebensdauer von Motoren, die ein halbes oder gar ein Jahr lang unbenutzt herumstehen, sind denkbar“, erklärt Karl-Heinz Prescher vom Münchner Institut für Motorenbau.