Mit der Mengenlehre wieder in der Kontroverse: die Ganzwortmethode

Von Ute Blaich

Auf den Unterrichtspflichtstoff Mengenlehre geht derzeit ein Platzregen von Vorwürfen („intellektuelle Notzucht“, „Pervertierung“, „verfassungswidrig“) nieder. Mit ins Gerede geraten ist die Ganzheitsmethode.

Immer wieder wird beides in einem Atem genannt: Mengenlehre wie Ganzheitsmethode, erklärte beispielsweise ein CDU-Abgeordneter kürzlich im Düsseldorfer Landtag, führten zu einer „Häufung von Schulversagen und Verhaltensstörungen“. Die Vollversammlung der Bezirksärztekammer Nordwürttembergs richtete den dringlichen Appell an die Landesregierung, Mengenlehre wie Ganzwortmethode schleunigst aus der Grundschule zu vertreiben. Auf der 70. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde wurde vor dem „geistigen Experiment am lebenden Objekt“ gewarnt.

Dem kann nicht deutlich genug entgegengehalten werden, daß Mengenlehre und Ganzwortmethode nichts miteinander zu tun haben und darum auch in der Diskussion nicht vermischt werden sollten. Ärzten, Psychiatern, Lehrern und aufgebrachten Eltern, die beides zusammenwerfen und zur Wurzel allen Übels erklären, darf man unterstellen, daß weniger sachliche Überlegungen sie bewegen als eine Aversion gegen Neuerungen schlechthin.

Wenn Nasen oben offen wären

Die Ganzheitsmethode – sie gibt es indessen gar nicht. Gemeint sind mit dieser summarischen Bezeichnung vielmehr eine Anzahl höchst unterschiedlicher Leseverfahren, die nicht nur im Ansatz, sondern vor allem auch in der Anwendung durch einzelne Lehrer stark voneinander abweichen.