In unseren Schauspielhäusern gewinnt man den Eindruck, als wäre Theater von Natur her eine alleinige Angelegenheit für Angehörige des Mittelstandes, die sich in nimmermüder Leistungswilligkeit gemeinsam einem Härtetest im Ertragen von Langeweile, von nicht minder ermüdender hektischer Turbulenz und unsinniger Provokation aussetzen.

Arno Paul, Professor für Theaterwissenschaft an der FU Berlin, in dem Buch „Plädoyers für eine neue Kulturpolitik“

Krejca inszeniert wieder

Mit Tschechow, mit einer Aufführung der „Möwe“, endete am 10. Juni 1972 ein Stück Theatergeschichte: Prags berühmteste Bühne, das „Theater hinter dem Tor“, wurde zwangsweise geschlossen, sein Ensemble aufgelöst. Schon im Frühjahr 1971 war der Gründer und Leiter des Theaters, Otomar Krejča, als Direktor abgesetzt worden, konnte aber noch ein Jahr lang mit jenem Ensemble weiterarbeiten, das er (vor allem mit Tschechow-Inszenierungen) in der ganzen Welt bekannt gemacht hatte. Das Motiv für die administrativen Gewaltakte gegen Krejča und sein Theater: der Regisseur war Anhänger Dub-čeks, hatte das „Manifest der 2000 Worte“ mitunterzeichnet – Grund genug für Dubčeks Nachfolger, das „Theater hinter dem Tor“ als „Hort des Rechtsopportunismus“ zu diffamieren. Mit Tschechow, mit einer Inszenierung des „Platonow“, begann nun vielleicht ein neues, besseres Kapitel tschechoslowakischer Theatergeschichte. Krejča dürfte erstmals wieder inszenieren – nicht „hinter dem Tor“, aber immerhin in einem Prager Vorstadttheater.

„Aspekte“-Leiter beurlaubt

Reinhart Hoffmeister, Moderator und Leiter des Kulturmagazins „Aspekte“, ist vom ZDF beurlaubt worden. Der Grund: In der letzten Sendung hat der Schriftsteller Gerhard Zwerenz einen Kommentar verlesen, in dem der Vorwurf erhoben wurde, die Frankfurter Polizei habe Demonstranten gefoltert. Hoffmeister hatte diese Aussage in einem Telephongespräch mit den Rechtsanwälten der zwei inzwischen wieder entlassenen Demonstranten Detlef Wessel und Dieter Hössel überprüft, hatte außerdem in der Sendung darauf hingewiesen, der Kommentar gebe eine persönliche Meinung wieder. Die ZDF-Leitung meint jedoch, eine so schwerwiegende Tatsachenbehauptung hätte ausgiebiger recherchiert werden müssen, Hoffmeister habe also der journalistischen Sorgfaltspflicht nicht genügt. Eine Begründung für die ungewöhnlichen Maßnahmen der Beurlaubung wurde noch nicht gegeben.

Ab nach Westen