Dieter Voigt: „Montagearbeiter in der DDR. Eine empirische Untersuchung über Industrie-Bauarbeiter in den volkseigenen Großbetrieben“; Soziologische Texte, Luchterhand, Darmstadt/Neuwied 1973; 266 S., Ln. 36,–, Studienausgabe 28,– DM.

Den im Klappentext formulierten Anspruch, das Buch sei „zugleich eine Einführung in die Industriesoziologie der sozialistischen Staaten“, werden Kenner der Materie kaum ernst nehmen. Hier werden lediglich die Antworten von 900 befragten Montagearbeitern im Industriebau ausgewertet. Neben der eigenen Beobachtung des Verfassers war das Interview sein hauptsächliches Erkenntnismittel, um etwas über Arbeitssituation, Lebensformen und Bewußtseinsstand einer ausgewählten Schicht von Industriearbeitern zu erfahren.

Veranlaßt wurde die Untersuchung durch den häufigen Arbeitsplatzwechsel der Montagearbeiter. Einige Ursachen dieser Fluktuation hat Voigt ergründet: das Durchschnittsalter der Fach- oder Hilfsarbeiter war mit 26,4 oder 24,5 Jahren außerordentlich niedrig; der moderne Industriebau hat keine lange Tradition; immer neue Arbeitergruppen werden vom wachsenden Baumarkt angezogen; die relativ kurzlebigen Montagearbeiten und die daraus folgenden örtlichen Umstellungen verhindern eine „Homogenisierung“ der Arbeiterschaft.

Voigt hat das widersprüchliche Meinungsbild der Montagearbeiter höchst eigenwillig interpretiert. Er benutzt es beispielsweise zu einem Ost-West-Vergleich in Sachen Betriebsklima, Zufriedenheit mit dem Arbeitsplatz, Selbstwertbewußtsein, usw. doch stellt er einer Erhebung aus dem Ruhrgebiet im Jahre 1955 eine aus dem DDR-Montagebau in den Mittsechzigern gegenüber. Den Begriff Arbeitszufriedenheit definiert er nach einer Formulierung De Mans aus dem Jahre 1927 (!). Die Interviewfragen sind zum Teil ungenau, wenn nicht gar unverständlich. Was soll die Frage: „Möchten Sie besser informiert werden?“ – Wer möchte dies nicht? Aber über was eigentlich? Überdies: Interviews reichen nicht aus, um ein reales Bild der Arbeits- und Lebensbedingungen zu ermitteln. Bernd Güther