Von Kai D. Eichstädt

Als vor zwei Jahren die beiden Frankfurter Reiseveranstalter NUR (Neckermann und Reisen) und gut-Reisen (gut; gemeinwirtschaftliches Unternehmen für Touristik) einen Kooperationsvertrag schlossen, rechnete die Branche mit einer Fusion. Inzwischen ist davon keine Rede mehr. Vielmehr spekulieren jetzt Branchenexperten darüber, ob die Kooperation in die Brüche geht.

Mit Erstaunen registrierten die Bosse in der NUR-Zentrale am Baseler Platz in Frankfurt, wie der inzwischen in den Taunusvorort Eschborn ausgewanderte Partner gut-Reisen auf die Treibstoffzuschläge der Charterfluggesellschaften reagierte. Während die Neckermänner seit dem 1. März ihre Kunden unterschiedslos zur Kasse bitten, wenn sie ihren Urlaubsjet besteigen, entschied sich gut-Reisen zu einem Alleingang. Der gemeinwirtschaftliche Veranstalter fordert von den Kunden, die vor dem 23. Februar ihre Urlaubsreise gebucht haben, kein Aufgeld.

Die Konkurrenz demonstriert zwar – mit Rücksicht auf das Kartellamt – nach außen Gelassenheit, hinter den Kulissen hält man jedoch mit dem Ärger über die gemeinwirtschaftliche Konkurrenz nicht zurück. Immerhin zählte Neckermann 5000 Rücktritte von Kunden, die den Kerosinzuschlag nicht bezahlen wollten oder konnten.

Über den Hintergrund der unüblichen Preispolitik bei gut-Reisen urteilt die Branche übereinstimmend: Die Eschborner nehmen Verluste in Kauf, um sich bei den Kunden als besonders verbraucherfreundlich zu profilieren. Karl-Heinz Helbing, Chef der gut, will diese Interpretation nicht gelten lassen: „Marktüberlegungen haben bei der Entscheidung keine Rolle gespielt.“ Allerdings gibt er zu, daß es im Vorstand über das Thema Ölzuschläge zu „heftigen Diskussionen“ mit dem Finanzchef kam, der sich bis zuletzt gegen die verbraucherfreundliche Regelung gewehrt haben soll.

Sein Widerstand ist verständlich. Die Großzügigkeit schlägt sich in der Gewinn- und Verlustrechnung mit zwei Millionen Mark nieder – bei einem erwarteten Umsatz von rund 160 Millionen Mark. Im Schnitt müssen aus der gut-Kasse an die Fluggesellschaften pro Passagier 30 Mark Ölzuschlag bezahlt werden.

Die Reaktion der Veranstalter auf den Alleingang von gut ist symptomatisch für die Situation auf dem Touristik-Markt. Verwöhnt von zweistelligen Zuwachsraten, müssen die Reiseunternehmer in diesem Jahr zum zweitenmal erleben, daß sich der Markt anders entwickelt, als sie erwartet haben. Statt einem Plus von zehn Prozent beim Flugtourismus, wie es sich einige für 1973 erhofft hatten, blieb zum Ende der Saison gerade noch ein dürftiges halbes Prozent übrig. Schuld daran waren, so sagen die Veranstalter, die aufsässigen Fluglotsen.