An Patentrezepten für den Bundeskanzler mangelt es nicht. Die Pläne zur Entlastung Brandts im Kabinett und in der Parteiarbeit, die Dohnanyi und von Oertzen vorgetragen haben, und auch das öffentliche Nachdenken Helmut Schmidts über ein gründliches und rechtzeitiges Kabinetts-Revirement – all diese Ratschläge gehen von der Prämisse aus, es müsse jetzt nach der Hamburger Wahl endlich etwas geschehen, damit die Talfahrt der SPD gestoppt werde. Geschehen aber ist vor allem dies: Die Autorität Brandts, für die es gegenwärtig in der SPD noch keinen Ersatz gibt, wurde abermals in Zweifel gezogen.

Das Donnerwetter, mit dem der Kanzler die Ratgeber abfertigte, ist ein Beweis dafür, daß er die Führung nicht aus der Hand geben will. Der demonstrative Beifall in der Fraktion zeigt, daß er noch starke Unterstützung hat. Aber diese Demonstration von Führungswillen auf der einen und Loyalität auf der anderen Seite ist noch kein Ersatz für eine Strategie.

Für Brandt kommt es nicht nur darauf an, mehr Disziplin im Kabinett und in der Partei durchzusetzen. Entscheidend wird sein, daß die Partei wieder instand gesetzt wird, die Wähler der Mitte zu erreichen. Von einer solchen Strategie aber und von dem solidarischen Willen der SPD-Führung, sie auch durchzusetzen, ist bisher wenig zu spüren. Noch sind die Sozialdemokraten über die Verwaltung ihrer Niederlage nicht hinausgekommen. R. Z.