Die Preistreiberei der großen Handelshäuser schürte die Inflation

Japans Mineralölkonzerne, die sich Anfang März noch der Preistreiberei und Marktabsprache unwidersprochen bezichtigen und als „Wirtschaftsverbrecher“ und „soziales Übel“ beschimpfen ließen, schlugen zurück. Letzte Woche präsentierten die Ölunternehmen ihre späte Rache: Die Konzerne, darunter die japanischen Töchter der US-Gesellschaften Exxon, Shell und Mobiloil, forderten eine Anhebung der seit Dezember von der Regierung eingefrorenen Benzin- und Heizölpreise um bis zu 90 Prozent.

Die Ölbosse konnten gewichtige Argumente ins Feld führen. Da die Rohölpreise sich inzwischen verdoppelt hätten, müßten sie – wegen des Staatlichen Preisdiktats – täglich einen Verlust von rund 30 Millionen Dollar hinnehmen.

Wie sehr die Ölherren Japans Abhängigkeit von Ölimporten für den eigenen Profit genutzt hatten, war in einem Anhörungsverfahren offenbar geworden, zu dem der Haushaltsausschuß des japanischen Unterhauses gebeten hatte. Vor dem Fernsehpublikum des Inselreiches mußten die Mineralölbosse zugeben, im letzten Quartal 1973 Sondergewinne in Höhe von 300 Millionen Dollar eingestrichen zu haben.

Bereits Mitte Februar hatte das japanische Kartellamt zwölf Mineralölunternehmen, die zusammen 90 Prozent des japanischen Marktes beherrschen, beschuldigt, sich über Marktanteile, Preise und Produktionsmengen geeinigt zu haben. Und ausgerechnet einem Abgeordneten des Unterhauses war ein geheimes Rundschreiben der General Oil Japan in die Hände gefallen, in dem das Unternehmen die Kürzung seiner Lieferungen als Chance bezeichnete, aus der Ölkrise Profit zu schlagen.

Angesichts der Abhängigkeit von den internationalen Konzernen, rund 60 Prozent der japanischen Ölversorgung wird von ihnen bestritten, hatte die Regierung Tanaka schon Ende letzten Jahres den Versuch unternommen, Ölpolitik ohne die marktbeherrschenden multinationalen Konzerne zu machen. In ausgedehnten Nahostreisen hatten japanische Diplomaten und Minister die ölproduzierenden Länder freundlich zu stimmen versucht. Ägypten, Syrien, Marokko, Algerien, Kuweit, Saudi-Arabien und der Irak wurden mit umfangreichen Entwicklungshilfe-Krediten beschenkt – Gesamtsumme: zwischen zwei und drei Milliarden Dollar. Das japanische Ministerium für Handel und Industrie mußte freilich einräumen, daß nur in wenigen Fällen entsprechende Abmachungen über direkte Öllieferungen als Gegengabe erreicht wurden.

So müssen sich die Japaner – nun zwar der Gunst der Araber gewiß – nach wie vor der Gunst der Mineralölkonzerne versichern. Und damit steht es derzeit nicht zum besten. Denn jetzt droht den Japanern ein Boykott der Konzerne, Für März haben – nach Auskunft von Handelsminister Nakasone – die US-Gesellschaften Exxon, Shell und Mobiloil (Marktanteil: 34 Prozent) eine Kürzung ihrer Lieferungen um 25 Prozent angekündigt, falls es nicht zu „angemessenen“ Preisanhebungen käme. Premierminister Kakuei Tanaka freilich konnte sich bislang zu einem Nachgeben nicht entschließen,