Von Heinz Michaels

Verärgerung und Resignation schwingen mit, wenn Heinz Menkens, Präsident des Landesarbeitsgerichts Bremen, feststellt: „Der Tarifabschluß im öffentlichen Dienst hat uns alles kaputt gemacht.“ Zusammen mit dem Oberlandesgerichtspräsidenten Richter hatte Menkens die Aufgabe, im Lohnstreit zwischen der Industriegewerkschaft Metall und dem Verband der metallindustriellen Arbeitsgeber zu schlichten.

Doch Menkens Bemühungen waren vergebens: Seit dem 6. März streiken im kleinsten Land der Bundesrepublik die Metallarbeiter. Während für rund zwei Drittel aller Beschäftigten der deutschen Metallindustrie bereits neue Löhne vereinbart sind, ist auf den Werften an der Unterweser kein Niethammer mehr zu hören, weil die Arbeiter 18 Prozent mehr Lohn erkämpfen wollen.

Um 14 Prozent höhere Löhne hatte Heinz Menkens ihnen zubilligen wollen, und die Tarifkommission der IG Metall hatte diesem Schlichtungsspruch auch zugestimmt, doch die Arbeitgeber lehnten ab. So kam es zur Urabstimmung und zum Streik.

Als sich die Verhandlungskommissionen in Bremen am 10. Januar zum erstenmal zusammensetzten, schien der Konflikt schon vorprogrammiert. Die IG Metall legte ihre Forderungen auf den Tisch: 18 Prozent mehr Lohn, drei Tage mehr Urlaub, eine höhere Gießereizulage, Erstattung der Gebühren für Gehaltskonten, höhere Ausbildungsvergütung und Absicherung der älteren Arbeitnehmer. Die Arbeitgeber schwiegen, und man vertage sich auf den 24. Januar.

Zwei Tage vorher schlug der Arbeitgeberverband „Gesamtmetall“ in Köln „eine bundesweite Lohn- und Gehaltserhöhung“ von 8,5 Prozent vor. Zum Ärger der Bundesregierung zogen die Arbeitgeber dabei auch Bonn in den Tarifstreit, indem sie an den Bundeskanzler appellierten, „durch steuerpolitischen Flankenschutz sicherzustellen, daß die diesjährige Lohnerhöhung ‚progressionsfrei‘ gewährt werden könne“. Die Bundesregierung sollte durch Steuererleichterungen den Gewerkschaften das Angebot schmackhaft machen.

Demgegenüber hatte die IG Metall eine buntscheckige Forderungspalette zusammengestellt. Sie forderte in Bremen 18 und in Nordrhein-Westfalen 15 Prozent, in Hessen. 17 und in Emden 16 Prozent, hier mehr Urlaubsgeld und dort mehr Urlaub. Das Paket sah. in jedem der 17 Tarifbezirke anders aus.