Von Paula Körber-Dorsch

Haute Nendaz? Super Nendaz? Selbst bewanderte Skifahrer zucken ratlos die Achseln. Das Achselzucken weicht dem Aha-Effekt, sowie man in Basel den Schlagbaum passiert: Jeder Eidgenosse mit etwas sportlichem Interesse oder einem Fernsehgerät kennt das Nendaz-Tal im Wallis; schließlich wurden dort zweimal die Schweizer Skimeisterschaften ausgetragen.

Wir fahren durchs Rhônetal, wo es zwischen Obstbäumen und Weinbergen schon im Februar nach Frühling riecht, erreichen die Kantonshauptstadt Sion mit den beiden burgenbewehrten Felstürmen und fragen uns, ob man nur 17 Kilometer weiter wirklich noch auf Pulverschnee hoffen darf. Man darf – in der Regel sogar bis Ende April.

Die Straße schlängelt sich gleichmäßig steigend bis auf 1350 Meter und landet auf einem Hochplateau, das wie ein Balkon über dem Rhônetal hängt mit einer bei Tag und Nacht unvergleichlichen Aussicht: Gegenüber die weiße Kette der Berner Alpen, zu Füßen der weite Bogen der Rhône, im Flußnebel die Burgzinnen von Sion.

Wo vor 15 Jahren die Milchkühe der Bauern von Haute Nendaz weideten,, gruppieren sich 1974 schon fast 7000 Fremdenbetten zur „Nendaz Station“. Die Hotelkapazität ist freilich gering: 300 Betten in sechs Häusern – der Rest ist in Apartmenthäusern gestapelt; mit Holzbalkons und Giebeldächern aus dem alpenländischen Bilderbuch – keine Experimente mit moderner Architektur.

Wir kamen am späten Samstagnachmittag in Haute Nendaz an, zu spät, um noch die Bretter anzuschnallen. Also beziehen wir erst einmal unser Studio in der Residence Olympic, einem der typischen „immeubles“ mit 400 Betten, Restaurant, Bar, Schwimmbad und Sauna gleich vis à vis der Gondelbahn.

Zwecks Einordnung des Kühlschranks folgt ein Gang in den Selbstbedienungsladen. Die Berge von Milchtüten, die die Kasse passieren, geben Aufschluß über das Publikum von Nendaz: Sportler und viele Familien mit kleinen Kindern. Gesprochen wird Französisch – das schnodderige der Pariser, das schwerfällige der Schwyzer und das Schriftfranzösisch der Franco-Schweizer. Die Deutschen, die laut Statistik 30 Prozent der Touristen ausmachen, sind hier ausnahmsweise mal ganz und gar nicht vernehmbar.