Auf dem Bankentag in Bonn demonstrierten Bundesfinanzminister Schmidt und Bundesbankpräsident Karl Klasen Einigkeit. Beide waren der Ansicht, daß in der Konjunkturpolitik weiter „gegengehalten“ werden müsse. Beide waren aber auch der Ansicht, daß es keine weiteren Zinserhöhungen geben dürfe. Schmidt versicherte, daß der Bund keine Anleihen mit einem Nominalzinssatz von elf Prozent ansteuert.

Mit dieser Aussage trägt er unzweifelhaft zur zinspolitischen Beruhigung in der Bundesrepublik und damit auch an den Börsen bei. Gleichzeitig schuf Schmidt aber neue Unsicherheit, als er ankündigte, daß über die Ausdehnung der öffentlichen Haushalte jener Nachfrageausfall ausgeglichen werden soll, der durch den erhöhten volkswirtschaftlichen Aufwand für Öl und Rohstoffe bedingt ist. Hier geht es um Summen, die zwischen 15 und 20 Milliarden Mark liegen. Damit wird auf dem Kapitalmarkt ein Nachfragevolumen geschaffen, das sehr leicht die Fixierung des Kapitalmarktzinssatzes bei nominal zehn Prozent in Frage stellen könnte.

Immerhin hat Minister Schmidt die Karten der Konjunkturpolitik auf den Tisch gelegt. Sie sieht keine Abkehr von der Marktwirtschaft vor. Im Grunde hat er auf dem Bankentag eine Rede gehalten, die man vom Bundeskanzler längst erwartet hatte. „Wir brauchen eine funktionstüchtige Marktwirtschaft, weil sie die Voraussetzung dafür ist, die Arbeitnehmer, die Konsumenten und Rentner Schritt für Schritt besserzustellen.“

KW