Die Bundesregierung scheiterte am vorigen Freitag in der Länderkammer mit ihrem Vorschlag, auf den Autobahnen eine Höchstgeschwindigkeit von 130 Stundenkilometern einzuführen. Es lägen, so argumentierten die Vertreter der Union, bisher keine gesicherten Erkenntnisse vor, wonach ein Tempolimit geeignet sei, die Zahl der schweren Unfälle auf Autobahnen zu vermindern. Die Bundesratsmehrheit empfahl statt dessen, in einem dreijährigen Großversuch Erfahrungen mit einer Richtgeschwindigkeit von 130 Stundenkilometern zu sammeln. De facto kommt das einer Geschwindigkeitsfreigabe gleich, weil Überschreitungen der Richtgeschwindigkeit nicht strafbar sind.

Verkehrsminister Lauritzen, der im Kabinett die Forderung „Tempo 130“ durchgesetzt hatte, nannte Richtgeschwindigkeiten völlig wirkungslos und berief sich dabei auf Untersuchungen der schweizerischen Beratungsstelle für Unfallverhütung. Dennoch erschien es am Dienstag sicher, daß die Bundesregierung den Bundesratsbeschluß zur Verordnung erheben würde. Da der Bundestag in dieser Sache nicht zu entscheiden hat, wäre nämlich die einzige Alternative, „Tempo 100“ – wegen der Energiekrise im November verfügt – ersatzlos zu streichen.