Die Aktionäre der größten norddeutschen Brauerei, der Holsten-Brauerei in Hamburg, werden zum ersten Male nach dem Kriege zur Kasse gebeten. Bisher hatte die Brauerei ihren Kapitalbedarf aus eigener Kraft decken können und sogar mehrmals Gratisaktien ausgegeben, ohne ihre Dividende von zuletzt neun Mark senken zu müssen. Mit einem von 17 auf 18,65 Mark gestiegenen Gewinn je Aktie wird vergleichsweise immer noch gut verdient, doch ohne Kapitaleinzahlung der Aktionäre geht es nicht mehr. Deshalb wird ihnen eine Kapitalerhöhung im Verhältnis 10:1 zu einem Ausgabekurs von 380 Prozent zugemutet. Ehrlicherweise erklärt der Vorstand dazu, daß der Gewinn 1973/74 (30. 9.) deutlich unter dem des Berichtjahres 1972/73 liegen wird. Die erheblichen Kostensteigerungen lassen sich weder über einen entsprechenden Mehrabsatz noch durch Bierpreiserhöhungen decken.

Die Holsten-Brauerei hat noch zwei andere Transaktionen vor. Sie fordert die Aktionäre der Bill-Brauerei (daran ist Holsten zu etwas mehr als 75 Prozent beteiligt) und der „befreundeten“ Lüneburger Kronen-Brauerei AG auf, ihre Aktien im Verhältnis 4:3 gegen Holsten-Aktien zu tauschen. Zu diesem Zweck wird ein genehmigtes Kapital von 2,5 Millionen Mark geschaffen. Ziel der „Anbindung“ beider Brauereien an Holsten ist es, alle in diesem Zusammenschluß liegenden Rationalisierungsmöglichkeiten auszunutzen. Ob die Aktionäre der Kaiser-Brauerei AG in Hannover eines Tages auf ähnliche Weise abgefunden werden, ist noch nicht entschieden. K.W.