Der bundesdeutsche Verkehrsminister hat neulich auf indirekte Weise einer tiefen Erkenntnis Ausdruck verliehen, die an Goethes zornige Klage erinnerte: „Und weiß, daß wir nichts wissen können ...“ Faust sprach’s und verbündete sich mit dem Teufel.

Unser Verkehrsminister weiß, daß er nicht wissen kann, in welchen Grenzen sich seine Geschwindigkeitsbegrenzung für Autos halten soll. Modern, wie er ist, will er experimentieren. Und gut; deutsch, wie er ist, will er’s gründlich machen.

Auf größere Zeiträume – sagt er – käme, es an. Probieren wir erst mal – sagt er,– gehörig lange Zeit das Tempo hundert, oder hundertzwanzig, so kommen, wir am Ende schön zu Resultaten, die wir dann – kommt Zeit, kommt Rat – auch noch gemütlich ändern können, gemütlich und systematisch. Das Experiment muß sich halt auf Jahre erstrecken.

Von wem hat er’s bloß, unser Minister? Wem hat er seine vermutlich etwas langsame Seele verkauft?

Experiment: Wir legen eine Platte auf. Es ertönt die Stimme eines Mannes, der einen Münchner Lokalpolitiker aus den zwanziger Jahren spielt. Und dieser weiß genau, wie die schon damals unüberwindliche Verkehrsmisere zu meistern sei. Er weist ganz einfach jeder Art von Verkehrsmittel einen bestimmten Zeitanteil zu. Denn wenn in unseren Städten auch Mangel an Platz ist, unkorrigierbarer Mangel, so haben wir doch Zeit genug. Die Zeit ist manipulierbar.

Folglich: „Von acht bis neun die Personenautos, von neun bis zehn die Lastautos, von zehn bis elf die Omnibusse, von elf bis zwölf ... Oder wenn das nicht geht, so schlage ich vor: montags die Feuerwehrautos, dienstags die Radfahrer, mittwochs die Motorradfahrer und so weiter... Doch wenn auch das nicht gehen sollte: im Jahre 1927 die Krankenwagen, 1928 dieSportautos, 1929 die Trauerkondukte und so weiter. Und sollte auch das noch keine Resultate bringen, dann schlage ich vor: im 19. Jahrhundert die Radfahrer, im 20. Jahrhundert die Personenautos und so weiter...“

Hier halten wir die Platte an und lesen den Namen. Richtig, da steht’s: Es ist der wunderbare Karl Valentin, dem Lauritzen seine Seele verschrieb.

Es ist eine Lachplatte.