Noch immer ist das Rheinufer von Eltville in Gefahr, durch eine Straße zerstört zu werden

Der Fall Eltville ist jetzt bald ein Vierteljahrhundert alt. Zum erstenmal wurde 1949 über die Umgehungsstraße des kleinen Rheingaustädtchens debattiert. Sollte sie im Norden von Eltville liegen oder im Süden unmittelbar am Rhein, als Uferstraße?

Die Frage ist bis heute nicht entschieden. Fünfundzwanzig Leitzordner im Büro der wahrscheinlich ältesten Bürgerinitiative in der Bundesrepublik (gegründet 1958), die sich zum Schutz des Rheinufers gebildet hat, zeugen von dem harten Kampf, der zwischen Behörden, Minister, Anliegern und Winzern um die Eltviller Umgehungsstraße geführt wird.

Mehrmals während all der Jahre sind „letzte endgültige Entscheidungen“ gefallen und Epiloge geschrieben worden. Doch nach wie vor quälen sich Lastwagen und Ausflügler auf dem Weg von Wiesbaden nach Rüdesheim durch die engen Gassen; von Eltville, die noch aus Napoleons Zeiten stammen. Nun will sich Hessens Verkehrsminister Herbert Karry (FDP) alles noch einmal überlegen und vor Ostern entscheiden, ob die Umgehungsstraße nicht doch besser im Norden gebaut werden sollte, wie die Vernunft es gebietet und sämtliche Umweltexperten und Landschaftsplaner es vorgeschlagen haben.

Die Chancen für eine solche Entscheidung stehen nicht schlecht. Denn mittlerweile könnten die befriedigt werden, die sich bislang gegen eine Nordumgehung sträubten. Und das sind die Martinsthaler. Martinsthal ist ein kleines Winzerdorf im Norden von Eltville. Seine Einwohner scheren sich den Teufel darum, ob das letzte Stück mittelalterlichen Rheinufers einer Betonpiste zum Opfer fällt.

Ihre Rechnung ist simpel: Sie wollen die Straße nicht, weil sie dann Gelände hergeben müßten. Doch wie gesagt: Heute bieten Privatbesitzer sowie die Gemeinden Eltville und Walluf im Tausch über vierzig Hektar Land an, das den Martinsthalern zur Verfügung gestellt werden kann. Darunter Weinhänge, die von besserer Qualität sind als die betroffenen Martinsthaler Lagen.

Das Wort hat also der hessische Verkehrsminister Karry. Bislang fühlte er sich an den Beschluß seines Amtsvorgängers Rudi Arndt gebunden und auch an den Entscheid des ehemaligen Bundesverkehrsministers Leber, die sich, beide auf eine Autobahn direkt am Rhein festgelegt hatten. Karry hielt nie die Rheinufer-Lösung für der Weisheit letzten Schluß. Deshalb erklärte, er sich bereit, den Fall zu überdenken und das Planfeststellungsverfahren für die Nordumgehung einzuleiten, wenn ausreichend Tauschland für die Martinsthaler beschafft werden. könnte. Dieses Tauschland steht heute zur Verfügung.