Die belgischen Parlamentswahlen haben die politischen Gewichte nur unwesentlich verschoben: wieder erhielt keine Partei eine tragfähige Mehrheit. Doch behaupteten sich die Christlich-Sozialen nicht nur als stärkste Partei, sondern gewannen noch fünf Sitze dazu (jetzt 72), während die Sozialisten des bisherigen Ministerpräsidenten Leburton zwei Mandate verloren (jetzt 59). Die Liberalen büßten vier Parlamentssitze ein (jetzt 30) und blieben Dritter.

Die Koalition dieser Drei war im Januar über Streitigkeiten um eine geplante belgisch-iranische Ölraffinerie nach einem Jahr zerbrochen. Daraufhin hatte sich Leburtons Partei im Wahlkampf für eine beträchtlich nach links verschobene Politik stark gemacht und sich gegen die Wiederauflage der alten Koalition gewandt. Inzwischen haben die Christlich-Sozialen als relativer Wahlsieger (32,3 Prozent der Stimmen) den Führungsanspruch für die neu zu bildende Regierung erhoben. Ihr Vorsitzender Leo Tindemans gilt als der nächste Regierungschef.