Den Entrüstungssturm nach der Hinrichtung des Studenten und Anarchisten Puig Antich hat die spanische Regierung unbeschadet und ungerührt überstanden; bei dem Versuch, ähnlich rigoros mit dem Bischof von Bilbao, Antonio Anoveros, zu verfahren, hat sie Federn lassen müssen.

Am 24. Februar hatte Anoveros in einer Predigt mehr politische und kulturelle Rechte für die Basken verlangt. Madrid sah in dieser Forderung einen „Anschlag auf die nationale Einheit“, eine „Anstiftung zur Zwietracht“, drohte mit Strafverfahren – die es bis heute nicht einzuleiten wagte –, stellte den Bischof unter Hausarrest und versuchte mit allen, auch gesetzwidrigen Mitteln, den Geistlichen ins Exil zu zwingen. Die Ironie: Anoveros zählte bislang zu den Verehrern Francos und seiner Politik; als Separatisten konnten ihn nur die vom Zorn verblendeten Berater des Ministerpräsidenten Arias schmähen. Das Fazit: Der spanische Episkopat, unterstützt vom Vatikan, stellte sich hinter den angegriffenen Bischof.

Der Versuch, sich eines unbequemen Mahners zu entledigen, war gründlich danebengegangen. Arias offenbarte zudem seine mangelhaften politischen Fähigkeiten, als er in einer Art Trotzreaktion ankündigte, das ohnehin angespannte Verhältnis zwischen Kirche und Staat könne durch Aufkündigung des Konkordats endgültig bereinigt werden.

Doch die Bischöfe blieben hart: Madrid sei selbstverständlich in seinen Entscheidungen frei. Die Kirche werde sich aber nicht das Recht nehmen lassen, in ihrem Bereich das zu sagen, was ihres Amtes und ihrer Überzeugung sei. Am Wochenende fanden Verhandlungen statt, konziliant im Ton, unerbittlich in der Sache.

Arias’ erste innenpolitische Niederlage wird die Kirche aus Vorsicht nicht plakatieren, die Bevölkerung wird sie aber nicht vergessen. Man kann, wie der Ministerpräsident, ein glänzender und sogar reformbereiter Verwalter sein; Politik ist jedoch – sogar im heutigen Spanien – ein anderes Metier. Die Frage aber bleibt, ob der Reformwille diese erste harte Lektion überleben wird. H. B.