Die Folgen explodierender Ölkosten – Gewaltige Verlagerung des Wohlstands

Von Walter J. Levy

Die Erdölkrise ist von einem Mengenproblem zu einem Preisproblem geworden. Die enormen Steigerungen der Ölpreise seit Mitte Oktober vergangenen Jahres drohen die wirtschaftlichen und monetären Strukturen aller ölimportierenden Länder zu sprengen. Keine Maßnahme der Importländer zur Verringerung ihrer Ölbedürfnisse scheint kurzfristig geeignet, die Nachfrage in genügendem Umfang zu dämpfen und die Preislast wirklich zu mildern.

Keine Maßnahme, zu der sich die Importländer jetzt entschließen, um zusätzliches Öl zu fördern oder Ölsubstitute zu entwickeln, wird in den nächsten paar Jahren wirklich Erleichterung schaffen. Das gilt sogar für die USA, die Nation, der es noch am leichtesten fallen dürfte, ihre Energiebasis zu erweitern. Unter diesen Umständen stehen die ölimportierenden Länder vor der folgenden Alternative:

  • Sie können ihre Öleinfuhren für 1974 drastisch. einschränken, beispielsweise auf die Hälfte der Importe von 1972. Eine solche Drosselung würde jedoch wirtschaftlich ernste Folgen haben und die Industrieproduktion, den Beschäftigungsgrad und den Außenhandel der betroffenen Länder schwer beeinträchtigen. In der Folge könnten die ölimportierenden Länder nicht einmal mehr in der Lage sein, selbst für die reduzierten Ölimporte mit eigenen Wirtschaftskräften aufzukommen.

• Sie können weiter Öl entsprechend der Nachfrage importieren. Eigenmittel zur Finanzierung dieser Importe lassen sich jedoch nur durch eine Erschöpfung der Devisenreserven, eine Einschränkung der ausländischen Kapitalinvestitionen und aller anderen Einfuhren und durch eine massive Ankurbelung der Exporte auftreiben.

Wer soll das bezahlen?