Er stand stets im Schatten seines berühmteren Bruders Fritz; mit ihm zusammen aber stand er in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, die 1954 in Bern die Weltmeisterschaft gewann. Nie zuvor, nie danach ist ein Sporttriumph in Deutschland so sehr gefeiert worden. Was aber hat Otmar Walter davon gehabt? Schulterklopfen daheim, große Sprüche, kleine Brötchen, Tankstelle und so weiter, alsbald der gar nicht so lange Weg ins Vergessen, Achselzucken und Kreditsperre, Ruin, Selbstmordversuch, Nettigkeiten sodann: das war’s. Für ein paar Sportler mag die Weltmeisterschaft schnurstracks in den Wohlstand führen; die meisten steigen vom Siegerpodest in den Alltag ab. Otmar Walter, Kaiserslautern, zum Beispiel. Am Mittwoch voriger Woche wurde er 50. Als „schönstes Geburtstagsgeschenk“ wünschte er sich, daß sein Klub am nächsten Wochenende gewinnen würde. Der 1. FC. Kaiserslautern spielte dann beim VfL Bochum unentschieden 2 : 2. Der Wunsch bescheiden, die Erfüllung halb – für Veteranen des Hochleistungssports ist das die Regel.