Das soeben verordnete Einfuhrverbot für Lira-Banknoten und die verschärften Devisenkontrollen zeigen, daß Italien mit seiner Währungspolitik immer weiter in die Enge getrieben wird.

In den vergangenen Monaten haben die italienischen Staatsholdings die Währungsabflüsse durch Kapitalflucht und Importüberschüsse auf Anweisungen der Notenbank dadurch gedeckt, daß sie sich mit Milliardenbeträgen auf dem Eurodollar-Markt verschuldeten. Trotzdem hat sich die Kapitalflucht verschärft. Im vergangenen Jahr wurden für etwa zwölf Milliarden Mark Lire über die Grenzen geschafft.

Das Defizit der Handelsbilanz für 1973. wird auf zwölf Milliarden Mark geschätzt. Auch diese Summe dürfte durch Kapitalflucht verfälscht sein. Exporteure legen den Devisenbehörden zu niedrig ausgestellte Rechnungen vor und lassen sich einen Teil der Erlöse auf Konten im Ausland überweisen. Importeure versuchen, die Einfuhrrechnungen möglichst zu erhöhen, damit sie Anspruch auf mehr zugeteilte Devisen haben.

Als Folge haben sich auf dem freien Devisenmarkt für die Lira Abschläge von 10 bis 20 Prozent herausgebildet. Mit dem Ausfuhr- und Einfuhrverbot für Lirabanknoten will die Notenbank jetzt nicht nur die Inlandsspekulation, sondern auch den Lira-Markt im Ausland trockenlegen, dessen Kurs sie nicht genug beeinflussen kann und der vom Fluchtkapital genährt wird.

Das Fluchtkapital ist nicht nur Geld, das aus Furcht vor politischem Umsturz oder ungünstiger Wirtschaftsentwicklung aus dem Land fließt. Es handelt sich dabei auch um Kapital, das im Ausland günstige Anlagemöglichkeiten findet. Vermutlich wird die Notenbank bald gezwungen sein, den Inlandszins um mindestens ein Prozent anzuheben und dem internationalen Niveau anzupassen. Damit soll den inländischen Anlegern rechnerisch die gleiche Verzinsung geboten werden wie im Ausland. fg