Die Iraker sagen „Arabischer Golf“, nicht „Persischer Golf“. Schon die Bezeichnung zeigt die Gegnerschaft: ein geographischer Anspruch, und sei er nur nominell, wird dem Nachbarn streitig gemacht. Doch zwischen beiden Ölstaaten geht es noch um handgreiflichere Auseinandersetzungen. Erst in der vergangenen Woche gab es wieder Artillerieduelle in der umstrittenen Grenzzone von Badra.

Radio Bagdad sprach von „unprovozierter, heimtückischer Aggression“. Der iranische Rundfunk zögerte nicht mit heftigen Gegenattacken. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, vor dem beide Klage führen, hat UN-Generalsekretär Waldheim inzwischen ermächtigt, einen Beobachter zu entsenden.

Obwohl beide Länder islamisch und beide reich an Öl sind, könnten sie kaum gegensätzlicher sein. Irak ist ein arabischer Staat, Persiens Mehrheit spricht eine indogermanische Sprache, das Farsi; den Irak beherrscht das sozialistische Baath-Regime, in Teheran regiert ein Monarch mit dem Titel „Herrscher der Herrscher“ (Schahinschah). Das westlich gelegene Land unterhält enge Beziehungen zu Moskau und bezieht seine Waffen von dort; der östliche Nachbar stützt sich auf die Vereinigten Staaten und deckt sich dort und in England mit Rüstungsgütern ein.

Der Streit der muslimischen Glaubensbrüder entzündet sich vor allem an Persiens Anspruch, das von den Engländern 1971 hinterlassene Machtvakuum auszufüllen und damit die Vormacht am Golf zu werden. Die Waffenkäufe im Wert von umgerechnet zehn Milliarden Mark machen die heute älteste Monarchie der Welt mit ihren 30 Millionen Einwohnern (Irak: 10) am Golf unschlagbar.

Schon Mitte vorigen Jahres hatte die Armee des Schahs 160 000 Mann unter Waffen, besaß 920 Panzer (weitere 740 waren bestellt), 145 Kampfflugzeuge (210 bestellt), 42 Hubschrauber (700 bestellt), 7 Zerstörer und Fregatten.

Daß es dem Schah ernst ist, bewies Ende 1971 die Besetzung dreier strategisch wichtiger Inseln an der Meerenge von Hormuz. Bagdad wehrt sich, indem es die innerpersische Opposition unterstützt.

Reibungspunkte gibt es auch am Schattel-Arab, dem Mündungsgebiet von Euphrat und Tigris. Der Fluß bildet am Unterlauf eine gemeinsame Grenze mit mehreren Häfen. Die Perser kündigten 1969 den 32 Jahre alten Vertrag über die beiderseitigen Rechte, nachdem es zu Grenzstreitigkeiten gekommen war.

Die brisante Kurdenfrage könnte nur dann entschäft werden, wenn das Autonomiestatut der irakischen Regierung vom 11. März die Kurden befriedigt. Dann brauchten die Kurden nicht mehr die heimliche iranische Waffenhilfe. In Bagdad weiß man, daß im irakischen Norden eine persische Zeitbombe tickt.