Honecker fordert zum 25. Jahrestag der Republik neue Höchstleistungen

In der DDR geht es immer irgend einem Ereignis „entgegen“. So etwas beflügelt den revolutionären Elan. Seit einiger Zeit nun geht es dem 25. Jahrestag der DDR entgegen, der im Oktober gefeiert wird. Aber man geht nicht nur so entgegen, sondern tut das „mit neuen Zielen“. Und die sind ehrgeizig.

Im Wettbewerb zu Ehren des 25. Jahrestages soll jeder, der etwas auf sein sozialistisches Bewußtsein hält, zusätzliche Aufgaben übernehmen. Mit persönlich-schöpferischen Plänen soll jeder einzelne Werktätige zusätzliche Verpflichtungen für seinen Arbeitsplatz übernehmen: Materialeinsparung, weniger Ausschuß und geringere Stillstandszeiten der Maschinen zum Beispiel.

Außerdem stellen die Betriebe als Resultat dieser persönlichen Pläne sogenannte „Gegenpläne“ auf nach sowjetischem Vorbild. Mit den Gegenplänen verpflichteten sich die Betriebe die im Staatsplan gestellten Anforderungen zu überbieten.

Derartige Vorhaben blieben indes nicht immer unwidersprochen. Otto Lindauer vom Stahl- und Walzwerk Brandenburg erzählte der Delegiertenkonferenz seines Bezirks: „Die Diskussionen zum Gegenplan haben viel Kraft gekostet. Was denn, so wurden wir gefragt, ‚erst den anspruchsvollen Plan für 1974 überbieten und jetzt noch einen Gegenplan? Der wurde doch schon mit der Überbietung der Forderungen an unser Werk abgegeben.“ Wir hatten heftige Diskussionen zu bestehen. Aber letzten Endes haben wir auch die Zweifler überzeugt, wobei uns, auch das muß gesagt werden, der Beschluß über die Zuführung zum Prämienfonds eine gute Hilfe war.“

Mit diesem Prämienbeschluß soll die individuelle Leistung angespornt werden. Denn die für die Erfüllung des Gegenplans ausgeschütteten Prämien sollen nicht betrieblichen Einrichtungen wie Kindergärten dienen, sondern an die Arbeiter direkt ausgezahlt werden. Am höchsten sind die Prämien für die Übererfüllung des Staatsplanes innerhalb des höheren Gegenplanes. Wird auch der Gegenplan erfüllt, dann werden die Prämien niedriger. Damit sollen möglichst hohe Gegenpläne stimuliert werden. Übrigens sind diese Gegenpläne nicht, wie die Zeitungen der DDR glauben lassen, Ergebnis freiwilligen Wettbewerbselans. Anfang dieses Jahres würde, eine Anordnung veröffentlicht, die alle volkseigenen Betriebe zur Aufstellung von Gegenplänen verpflichtet.

Die hohen Leistungen und Verpflichtungen der Arbeiter, so meinte dennoch der Anlagenfahrer Wolfgang Peter aus Schwedt, seien „die Antwort der Arbeiter auf die Arbeiterpolitik des VIII. Parteitages der SED“. Dies war das Motto der Delegiertenkonferenzen in allen Bezirken, die im Februar stattfanden. In Leipzig sagte SED-Bezirkschef Horst Schumann: „Die Zeit nach dem VIII. Parteitag war und ist geprägt von der mobilisierenden Kraft seiner Beschlüsse. Wenn wir diesen Zeitraum überblicken, können wir sagen, die politische Linie des VIII. Parteitages, alles zu tun für das Wohl des Menschen, für das Glück des Volkes, für die Interessen der Arbeiterklasse und aller Werktätigen, hat auch im Bezirk Leipzig eine Periode schöpferischer Arbeit ausgelöst, die reiche Früchte trägt.“