Viele Entwicklungsländer haben sich vom Reiseboom zuviel versprochen

Getrieben vom Fernweh, verlockt von farbigen Prospekten, auf der Suche nach Sonne, Ruhe oder Abenteuer, bricht Jahr für Jahr ein Millionenheer von Touristen zur Reise in nahe oder ferne Länder auf. Im vergangenen Jahr machten nach Angabe des Verbandes der Reise Verkehrsorganisationen 215 Millionen Menschen in aller Welt Urlaub, neun Prozent mehr als 1972. Davon reisten rund 53 Millionen ins Ausland.

Von den 35 Millionen deutschen Touristen reisten 16 Millionen ins Ausland. Bereits 1972 ließen sie dort rund vier Milliarden Dollar – mehr als je zuvor Touristen irgendeines Landes.

Die Einnahmen aus dem Tourismus sind nicht nur für europäische Sonnenländer wie Spanien, Italien oder Jugoslawien zu einer bedeutsamen Devisenquelle geworden. Auch die Liste der Entwicklungsländer, die ausländische Besucher als Dukatenesel willkommen heißen, ist von Jahr zu Jahr länger geworden.

Allein aus der Bundesrepublik reisten im vergangenen Jahr laut Ermittlung des Bonner Ministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit fast 700 000 Touristen in ein außereuropäisches Entwicklungsland.

Mexiko erwirtschaftet durch den „Verkauf“ von Folklore und landschaftlicher Schönheit etwa 40 Prozent der Einnahmen, die im Exportgeschäft erzielt werden. Den Bahamas bringt der Tourismus sogar eineinhalbmal soviel Devisen ein wie die Ausfuhr landwirtschaftlicher und industrieller Produkte. Die afrikanischen Staaten Kenia, Tunesien und Marokko bringen es immer-, hin auf 25 Prozent. In Asien kann Nepal seine im Exportgeschäft verdienten Devisen durch Touristen-Dollar inzwischen ebenfalls um 25 Prozent aufstocken, Thailand um 15 Prozent.

Viele Entwicklungsländer in Asien, Afrika und Lateinamerika haben in den vergangenen Jahren – ermuntert durch den Boom des Ferntourismus – große Anstrengungen unternommen, um ihre Urlaubsindustrie auszubauen. Dabei wurden sie von Entwicklungshilfe-Organisationen eifrig unterstützt.