„Grundlegende Neuverhandlungen über die britische Mitgliedschaft in der Europäischen Gemeinschaft fordert die Labour-Regierung unter Premierminister Wilson. Aus der Thronrede der Königin, die damit verfassungsgemäß die Regierungserklärung des Premierministers abgab, ging hervor, daß die Ergebnisse der Neuverhandlungen der Bevölkerung zur Abstimmung vorgelegt werden sollen.

Zugleich betonte Königin Elizabeth in ihrer Rede zur Eröffnung des Parlaments, die Labour-Regierung werde bemüht sein, die Kosten des Nato-Bündnisses zu senken. Dies war ein Wahlversprechen Wilsons gewesen.

Großes Gewicht legt die Regierung in ihrem Programm auf die Innenpolitik. Neben der Einführung von „gerechten Preisen“ für gewisse Grundnahrungsmittel wurde eine Reform des unter der konservativen Regierung verabschiedeten Gesetzes über Arbeitsbeziehungen angekündigt. Mit dessen Hilfe sollen wilde Streiks eingedämmt werden. Außerdem will die Regierung die Alters- und Versehrtenrente sowie die Bezüge aus der Sozialfürsorge erhöhen.

Kein Wort fiel zu den von der Labour Party vor den Wahlen groß angekündigten Verstaatlichung der Schlüsselindustrien. Aus Kreisen der Labour-Regierung verlautete dazu, Wilson habe seine „radikaleren“ Absichten wie die Verstaatlichung der fünfzig größten Gesellschaften des Landes zugunsten von „gemäßigteren“ Vorhaben zurückgestellt, die im Unterhaus allgemeinen Widerhall finden und den Fortbestand seiner Minderheitsregierung über eine Anlaufzeit hinaus sichern könnten.

Mit der Beilegung des Bergarbeiterstreiks hat die Labour-Regierung schon einen Anfangserfolg zu verzeichnen. Die ausgehandelte Lohnerhöhung liegt bei 29 Prozent. Heath hatte 16 Prozent zugesagt. Eine völlig neue Lohnskala soll die Bergarbeiter außerdem sozial besser einstufen.