Der Mensch ist ein Wesen, das sich wesentlich geistig ernährt, von spirituellen Gütern ernährt. Damit diese Ernährung nun auch wirklich klappt, möchte ich das kulturelle Leben so organisiert wissen, daß es Ähnlichkeit hat mit einem Wirtschaftsleben, in dem das Prinzip des freien Unternehmertums gefordert wird. Wir wollen erreichen, daß der Mensch wirklich mit kulturellen Gütern ausgestattet am Arbeitsplatz steht. Die Verflechtung von Kultur und Wirtschaft wird hier ganz klar: Kreativität ist gleich Volksvermögen.

Gründungsrektor Joseph Beuys in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ über die geplante „Freie Internationale Hochschule für Kreativität und interdisziplinäre Forschung“.

Peter Gan

Mit Peter Gan hat die deutsche Literatur eine ihrer Spielergestalten verloren, einen Versteckspielen, Rätselspieler, Wortspielen Versteckspiel schon im Künstlernamen, den sich der am 4. Februar 1894 in Hamburg geborene Anwaltssohn Richard Moering gab, als er nach der Promotion zum Dr. jur. in die Literatur floh und 1935 mit dem Gedichtband „Die Windrose“ und den Essays „Von Gott und der Welt“ als Schriftsteller debütierte. „Wortspiele sind mir teuer, / und doch nicht ganz geheuer; / spiel’ ich nicht fast zuviel?“ Der selbstkritisch sich selbst bedichtende Peter Gan hat die Frage im letzten, 1970 erschienenem Gedichtband „Soliloquia“ gestellt. Mit Jean-Paulscher Heiterkeit hat er die Rolle des unzeitgemäßen Skeptikers gespielt. Und war doch alles andere als ein selbstverliebter Bewohner des Elfenbeinturms: Dem Mann, der vor den Nazis ins Exil fliehen mußte, verdanken deutsche Leser die Kenntnis vieler großer Werke der Weltliteratur. Für die fast hundert Bücher, die Peter Gan aus dem Französischen, Englischen, Amerikanischen und Russischen übertragen hat, wurde er 1973 mit dem Übersetzerpreis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung geehrt. Wenige Tage nach seinem achtzigsten Geburtstag ist er an den Folgen eines Unfalls gestorben: Ein spielendes Kind hat den liebenswürdigen Einzelgänger mit dem Roller umgeworfen.

3 700 Jahre europäische Musik

Die Erbmasse, mit der sich musikalische Neutöner auseinanderzusetzen haben, ist noch viel größer, als man dachte. Bisher war ja angenommen worden, die diatonische Heptatonik, also die Ausschöpfung einer Siebentonleiter und ihrer Halbtöne, auf der alle europäische Musik vor Schönberg und Webern beruht, sei eine Erfindung der Griechen des vierten vorchristlichen Jahrhunderts. In fünfzehnjähriger Arbeit hat nun die Assyrologin der kalifornischen Universität Berkeley, Anne D. Kilmer, eine Keilschrifttafel entziffert, die von französischen Forschern Anfang der fünfziger Jahre an der Mittelmeerküste Nordsyriens gefunden worden war: Sie enthielt die Noten zu einem Lied in C-Dur, das zum letztenmal vor 3700 Jahren in der alten phönizischen Kulturmetropole Ugarit erklungen sein mag. Richard L. Crocker, Professor für Musikgeschichte in Berkeley, sang es jetzt zu einer altsumerischen Leier. Den Zuhörern klang es gar nicht fremd: wie ein sanftes Wiegenlied, berichtet der Korrespondent der Times.