Auf dem britischen Fusionsparkett kommt keine Langeweile auf, wie die Kontroverse um das Warenhausunternehmen House of Fraser und die Apothekenkette Boots zeigt. Boots zog sich den Zorn des Takeover Panels zu, der über faire Abwicklung bei Übernahmen und Fusionen wacht, und spielte der neuen Labour-Regierung ein Argument zu, die Transaktionen in der City zu untersuchen.

Rund 225 Millionen Pfund wollten es sich die Apotheker im November kosten lassen, mit der Übernahme eines etablierten Unternehmens, zu dem das berühmte Harrods in London gehört, in neue Handelsbereiche einzudringen. Gegen massive Kritik verteidigte Boots diesen Schritt mit dem „Interesse der Aktionäre, Beschäftigten und des kaufenden Publikums“. Boots ließ sich auch nicht verschrecken, als die angestrebte Fusion der Monopolkommission zur Prüfung überwiesen wurde.

Jetzt sieht alles auf einmal ganz anders aus. Von der langfristigen Betrachtung, auf die Boots die ganze Zeit gepocht hatte, ist keine Rede mehr. House of Fraser ist plötzlich zu teuer. „Im Lichte der völlig außergewöhnlichen internationalen und nationalen Umstände“ versuchte Boots den Übernahmepreis herunter zu handeln. Der Vorsitzende Sir Hugh Fraser lehnte ab.

Der Takeover Panel, ein freiwilliges Gremium der City-Selbstverwaltung, bedeutete Boots, es sei nicht gentlemanlike, die Braut sitzen zu lassen. Da aber Boots für die Fusion eine Kapitalerhöhung braucht, können die Apotheker sich mit einem Trick aus der Affäre herauswinden, wenn sie ihren Aktionären empfehlen, die Kapitalerhöhung abzulehnen.

Die Geprellten sind die Aktionäre von House of Fraser: die Scottish and Universal Investment Ltd., eine börsennotierte Investmentgesellschaft, ist der größte Aktionär. In ihr sind die Fraserinteressen zusammengefaßt, darunter ein Anteil von 25 Prozent an House of Fraser. Sir Hugh Fraser hat nämlich ein Sicherheitsnetz geknüpft und 20 Prozent der Anteile an House of Fraser an das amerikanische Warenhausunternehmen Broadway-Hale für den Fall zugesagt, daß die Fusion mit Boots durchfällt.

In der City befürchtet man, daß die Angelegenheit nicht nur mit einer Frustration der Kleinaktiönäre enden wird, sondern auch der Autorität des Takeover Panels schadet und damit das sorgsam gehütete Dogma gefährdet, daß die Vorgänge in der City am besten von der City selbst reguliert werden. wk