Im Grunde, so hat Rudolf Steiner gesagt, schaffe der Mensch mit den Maschinen eine wahre Hölle um sich. Gottlob wußte er auch, wie er dieser "ahrimanischen Kräfte" Herr zu werden vermöchte: indem er ihrer bewußt inne werde. Was ich weiß, macht mich nicht heiß. Und da auch Anthroposophen frieren, wenn es kalt ist, sich also Ahrimans bedienen müssen, ergab sich diese Möglichkeit, warm zu sitzen und dennoch das "Höllenwerk zur Erzeugung von stündlich zweimal achthunderttausend Kilogrammkalorien" zu verschmerzen: Steiner ließ auf dem berühmten Anthroposophenacker zu Dornach in der Schweiz das Heizwerk nicht in den Keller seines mächtigen Goetheanums verbergen, sondern gliederte es aus; auf diese Weise wurden die physisch nützlichen Kräfte "durch die architektonische Form selber unschädlich" gemacht. Wie dieser phantasievolle, künstlerisch außerordentlich begabte und schöpferische Theoretiker Steiner solche "Bauaufgaben" zu lösen unternahm, das ist nun nachzulesen und anzuschauen in einem schön gemachten, überraschend plausibel und sehr geduldig beschreibenden, obendrein ausführlich mit Photos, Skizzen, Grundrissen und Schnitten illustrierten Buch von Erich Zimmer über "Rudolf Steiner als Architekt von Wohn- und Zweckbauten" (Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart, 1974; 246 S., Abb., 58,– DM). Natürlich muß jeder, der anthroposophischen Gedankengängen gegenüber Fremdheit empfindet, stets die Barriere seltsamer weltanschaulicher Fiktionen überwinden – gleichwohl lohnt das Studium dieser ebenso oft überinterpretierten wie bemerkenswert mutigen expressionistischen Baukunst. Vom Prachtstück des Dornacher Terrains, dem Goetheanum, ist hier nur am Rande die Rede; doch für die Wohn- und Zweckbauten um es herum gilt ein bißchen, was Wolfgang Pehnt in seinem nicht genug zu preisenden Buch über "Die Architektur des Expressionismus" (Hatje Verlag, Stuttgart, 1973; 232 S., 518 Abb., 72,– DM) sagt: Es sei "eine der großartigsten architekturplastischen Erfindungen, die das 20. Jahrhundert aufzuweisen hat". Auch für das Heizhaus mit seinem Gegensatz aus dem "fast stoisch ruhigen" Kesselhaus-Kubus mit der Doppelkuppel und den "fast aufgeregt unruhigen Ästen" des Schlotes. Das sehe sich an, schreibt Erich Zimmer, "wie wenn sich etwas der dumpfen Erdenlast befreien wollte und dabei in Aufregung gerät".

Manfred Sack