Die rohstoffproduzierenden Länder sollen nach dem Beispiel der OPEC-Länder durch Erhöhung der Rohstoffpreise mehr Geld von den reichen Industrieländern zum Aufbau eigener Industrien verlangen. Als ersten Schritt kündigte Venezuelas neuer Staatspräsident Carlos Andres Perez kurz vor Antritt seiner fünfjährigen Amtszeit zusammen mit dieser Forderung eine Konferenz der in der lateinamerikanischen Energieorganisation OLADE vereinten Staaten an, auf der eine gemeinsame Strategie beraten werden soll.

Denn viele südamerikanische Länder sind ebenso wie die erdölexportierenden OPEC-Länder weitgehend von der Ausfuhr eines einzigen Produktes abhängig. Anhaltendes Sinken der Weltmarktpreise kann für kleine Staaten wirtschaftliches Chaos bedeuten. Bolivien zum Beispiel verdient fast die Hälfte seiner Exporterlöse mit Zinn, Kolumbien über die Hälfte mit Kaffee, Kupfer trägt zu Chiles Exporterlösen zwei Drittel bei und Venezuela hat außer Erdöl kaum andere nennenswerte Artikel für den Export. Vor gemeinsamen Aktionen ergriff Perez erst einmal im eigenen Land die Initiative. Unter stürmischem Beifall der Abgeordneten und Senatoren beider Kammern des Parlaments kündigte der 51jährige Staatspräsident an, sein Land werde schon in Kürze die erst 1983 auslaufenden Erdölkonzessionen von den ausländischen Gesellschaften zurückforfordern, die 95 Prozent der Erdölproduktion kontrollieren. Eine Allparteien-Kommission wurde ins Leben gerufen, die eine nationale Ölpolitik konzipieren und den Ausländern die Vermarktung venezolanischen Erdös verbieten soll.

Gar zu heftig wollen die Venezolaner den großen Bruder im Norden jedoch nicht vor den Kopf stoßen: Das Erdöl soll zwar in Zukunft zur Unterstützung des „gemeinsamen Kampfes“ aller Länder Lateinamerikas eingesetzt werden, gleichzeitig kündigte er eine zufriedenstellende Entschädigungsregelung an. Perez dazu: „Ein Bohrloch ist die beste Bank.“ ot