Vergebens halten diedeutschen Anlagemanager Ausschau nach Alternativen im Ausland. Nirgends zeichnet sich ein fundierter Aufwärtstrend ab. Die noch nicht endgültig zu beurteilenden Folgen der Ölpreiserhöhung sowie die im Währungssystem liegende Unsicherheit lassen an keiner der Weltbörsen Optimismus aufkommen. Wall Street zeigte zwar in den letzten Wochen ein Bild hoffnungsvoller Stabilität. Vorerst glauben aber nur wenige an eine echte Wende. Für die zeitweise festere Tendenz werden hauptsächlich die Erwartungen auf eine Lockerung des Ölembargos der arabischen Staaten verantwortlich gemacht. Sie lösten vor allem bei den Kursen der großen Ölkonzerne merkliche Kursgewinne aus. Aber auch andere Unternehmen wie zum Beispiel Xerox konnten von der besseren Börsenstimmung profitieren.

Was jedoch viele an der Nachhaltigkeit der Aufwärtsbewegung zweifeln läßt, sind die konjunkturellen Daten. Sie deuten nämlich auf eine Abkühlung hin. Immer wieder werden auch politische Fakten (Watergate) für die Anfälligkeit der New Yorker Börse ins Feld geführt. Auf der anderen Seite sorgen aber unzweifelhaft die rückläufigen Zinsen für einen gewissen Auftrieb. In der Bauwirtschaft der USA haben sie bereits zu einer deutlichen Belebung geführt.

Verständliche Unsicherheit herrscht in London. Einerseits ist man über die Rückkehr zur Fünftagewoche befriedigt, andererseits fürchtet man die Folgen der Zugeständnisse an die Bergarbeiter. Als sicher gilt eine Beschleunigung des Inflationstempos. Ob das zu einer „Sachwert-Hausse“ führen wird, wie viele meinen, ist noch keineswegs sicher. Große englische Anleger scheinen neuerdings eher mit deutschen Aktien zu liebäugeln. Wenn sie sich vorerst vom Erwerb deutscher Werte abhalten lassen, so liegt dies an den Komplexen „Mitbestimmung“ und „Vermögensbildung“, Begriffe, denen die Engländer keinen Geschmack abgewinnen können.

Die Börse in Amsterdam folgte – wie schon oft – der New Yorker Tendenz. Im allgemeinen gab es hier in den letzten vier Wochen begrenzte Kursgewinne, auch bei den „Internationalen“ des holländischen Marktes. Wer jedoch gedacht hatte, die guten Ergebnisse von Royal Dutch oder Philips würden die Kurse beider Werte nach oben reißen, sieht sich enttäuscht. Von den Kurs/Gewinn-Verhältnissen aus betrachtet, gehören die „Holländer“ zu den preiswertesten Aktien.

An der Tokioter Börse herrscht Hektik, weniger was die Umsätze angeht, sondern vielmehr in bezug auf die Zukunftsbeurteilung. Hier klaffen die Meinungen weit auseinander. Es wird befürchtet, daß die im Grunde negativen ökonomischen Daten nun doch noch Einfluß auf die Börsentendenz gewinnen könnten. Deshalb scheidet in den Augen der meisten deutschen Anleger die Tokioter Börse als Alternative zum deutschen Markt zunächst noch aus. K. W.