Die Börse ist schizophren. Während die Kurse der „alten“ Ölkonzerne trotz ihrer im vergangenen Jahr erzielten Gewinnsteigerungen stagnieren, reagieren die Börsianer auf Ölfunde, besonders wenn daran deutsche Unternehmen beteiligt sind, mit großer Begeisterung. Das war schon so, als die Preussag vor der deutschen Nordseeküste bohrte, und so ist es jetzt wieder bei Wintershall, einem Unternehmen, das an einem Ölfund im Ägäischen Meer beteiligt ist, im Rahmen einer Konsortialquote von nur 12,5 Prozent.

Dennoch stieg der Kurs der Wintershall-Aktie munter. Bei dem engen Markt dieses Papieres gehört dazu nicht viel. Die deutsche Börse hatte endlich einmal wieder ein Spielpapier. Kein Mensch machte sich Gedanken darüber, wieviel Zeit zwischen einer erfolgreichen Probebohrung und einer lohnenden Förderung zu liegen pflegt. Und daß es sehr lange dauert, bis sich Bohrinvestitionen für den Aktionär verzinsen.

Öl ist – ernsthaft betrachtet – für die deutsche Börse kein Zauberwort. Es gibt kein deutsches Unternehmen, dessen Wert sich über Nacht dadurch verändert, daß es irgendwo in der Welt fündig wird. Überdies: Deutsche Unternehmen haben im internationalen Ölgeschäft noch nie viel Glück entwickelt. Das lag nicht immer an den Firmen selbst, sondern auch an politischen Ereignissen. Und auf diesem Felde sind die Risiken sicherlich noch gewachsen. Auch das ist ein Grund, nicht vorzeitig zu jubeln.

K. W.