Wer führt die Feder, wenn deutsche Stars Memoiren schreiben

Von Hans C. Blumenberg

Hildegard Knefs „Geschenkter Gaul“ war ein trojanisches Pferd: es barg eine ganze Heerschar mehr oder weniger prominenter Kollegen, die offenbar nur darauf gewartet hatten, Selbstverfaßtes auf den Markt zu werfen. Und noch nie war die Gelegenheit so günstig wie heute. Im Windschatten der auch international erfolgreichen Knefschen Konfessionen betätigt sich eine eindrucksvolle Galerie alternder Stars als Schriftsteller in eigener Sache. Die Diven der seligen UFA, von Zarah Leander bis Olga Tschechowa, von Luise Ullrich bis zur verstorbenen Laie Andersen, haben ihrem Mitteilungsbedürfnis keine Schranken gesetzt und ohne falsche Scham zur Schreibmaschine gegriffen.

Memoiren sind „in“. Wer halbwegs prominent ist, mutet dem zahlenden Publikum ein Buch zu, auch – und zumal – unsere Fernseh-Lieblinge wie Erik Ode („Der Kommissar und ich“), Karl-Heinz Köpcke („Guten Abend, meine Damen und Herren“) und Anneliese Fleyenschmidt, von der ich allerdings nur weiß, daß sie angeblich Fernsehansagerin sein soll. Auch belletristisch Fiktives häkeln mürbe Showgrößen gern. Hardy Krüger hat einen Afrika-Roman geschrieben („Wer stehend stirbt, lebt länger“), Köpckes Werk entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Kurzgeschichten-Sammlung mit einem verschämt autobiographischen Anfangskapitel.

Wer liest diese Bücher, wer verlegt sie? Niemand kann diese Frage besser beantworten als der Verleger Rolf S. Schulz, dem es innerhalb von knapp zwei Jahren mühelos gelungen ist, zum Branchenführer auf dem weiten Feld der Starliteratur zu avancieren. Schulz, ein bleicher, vornehmer Mensch, der sich zur Not auch Konsul nennen darf, residiert in einer herrschaftlichen Villa in Percha am Starnberger See.

Glamouröse Abwege

Der Schulz Verlag, dessen grün eingebundene juristische Fachwerke („Gesetz über eine Altershilfe für Landwirte mit allen einschlägigen Nebengesetzen“) eine lange Tradition besitzen, geriet auf glamouröse Abwege, als dem Kapitaleigner der Komponist Peter Kreuder über den Weg lief. Von dieser Begegnung bis zu Kreuders Erinnerungsband „Nur Puppen haben keine Träume“ (Verlagsprospekt: „Ruhmvolle Erfolge wechseln ab mit riesigen Pleiten, verhaltener Zärtlichkeit folgt wilder Sex“) war es nur noch ein kurzer Schritt.