DIE ZEIT

Im Pulverdampf

War das neueste Stück, das die Bonner Opposition auf der deutschlandpolitischen Bühne aufgeführt hat, eine schlecht inszenierte Komödie oder war es ein Trauerspiel? Die Antwort kann nur von der CDU/CSU selber kommen, aber sie muß ihr, so oder so, peinlich werden: Seit dem Abschluß des Grundvertrages mit der DDR, seit über einem Jahr also, wußte jeder, der es wissen wollte, daß die Chefs der im Vertragsartikel 8 vorgesehenen Ständigen Vertretungen beider Staaten beim jeweiligen Staatsoberhaupt des Empfangsstaates akkreditiert würden – der bundesdeutsche Staatssekretär Gaus also beim Vorsitzenden des Staatsrates der DDR, sein Pendant Kohl bei Bundespräsident Heinemann.

Bonn – umworben und erpreßt

Krieg zwischen Europa und Amerika", so lautet der Titel eines Buches, das zur Zeit ein amerikanischer Journalist schreibt. Vor kurzem wäre ein solcher Beitrag zur political fiction der allgemeinen Gefühlslage noch so fern gewesen, daß sich wohl kaum ein Verleger für ein solches Werk hätte finden lassen; heute dagegen kann man sich durchaus vorstellen, daß es ein Bestseller werden wird.

Kein Fluchtweg für die FDP

Wenn es die Führer der Union für notwendig halten, ihre Anhänger vor Euphorie zu warnen, dann muß der Erfolg schon recht beträchtlich gewesen sein.

Öl-Spur

Amerika hat es wieder besser. Die arabischen Öl-Staaten haben, gegen den Willen der Libyer und der Syrer, ihr im Oktober letzten Jahres über die USA verhängtes Embargo aufgehoben – wenn auch zunächst nur für drei Monate.

Jungwähler entdecken die CDU

Jungsozialisten wie Jungdemokraten bekommen gegenwärtig zu spüren, daß sich die Landschaft der Jungwähler zu ändern beginnt.

Zeitspiegel

Offene Posten will die DDR dem Vernehmen nach demnächst in Bonn zur Sprache bringen. Im Zusammenhang mit den Verhandlungen über ein Rechtshilfe-Abkommen hat ein Arbeitsstab der DDR erste Vorstellungen spezifiziert.

Mißtrauen in Paris

Paris ist wieder einmal sehr mit sich zufrieden. Nach Henry Kissingers Schelte für die widerspenstigen Europäer und nach Richard Nixons Brandrede von Chicago ist Frankreichs Außenminister mehr denn je davon überzeugt, daß er von Anfang an recht hatte.

Mäkeln am Makler

In den Scheltreden Richard Nixons und Henry Kissingers zwar nicht direkt angesprochen, aber davon zwangsläufig mitbetroffen, fühlt sich die Bundesregierung wie ein Schuljunge, der zu Unrecht übers Knie gelegt worden ist.

Truppenabbau-Konferenz: Moskauer Propaganda-Pressionen

So zugeknöpft sich die sowjetische Delegation bei den Wiener Truppenabbau-Verhandlungen gegenüber ihren westlichen Partnern gezeigt hat, so aufgeschlossen gab sie sich jüngst gegenüber einigen westlichen Journalisten.

In den Startlöchern

In Genf läuft die zweite Runde der sowjetisch-amerikanischen Gespräche über die Begrenzung strategischer Waffensysteme (SALT II).

Der Kreml mauert

Auf der Rückreise aus Bangladesch machte der polnische Außenminister in Moskau Station. Stefan Olszowski wollte erfahren, wie man dort die Besuche des Bonner Sonderministers Bahr und des französischen Staatspräsidenten Pompidou beurteilt.

Streitbarer Konservativer

Wollte man fragen, welche Journalisten in der ersten Zeit nach dem letzten Krieg den größten Einfluß hatten, so wäre meine Antwort: Hans Werner Richter in der "amerikanisch besetzten Zone", in Süddeutschland also, und Ernst Samhaber in Norddeutschland, der "britisch besetzten Zone".

Brückenbauer

Es gab wenige Amerikaner, denen das amerikanisch-deutsche Verhältnis und das Verständnis füreinander – auch gerade in Zeiten möglicher Mißverständnisse – so sehr am Herzen lag, wie Christopher Emmet, dessen Tod in New York weit über seinen engeren Freundeskreis hinaus in Amerika und Deutschland schmerzlich empfunden wird.

Der "Panorama"-Fall: Maulkörbe für die Merseburgers?

So abwegig ist die Frage nicht: Geht es Merseburger an den Kragen? Oder anders, gründlicher gefragt: Ist für jene, denen der "Panorama"-Leiter (seit 1967) und Fernseh-Chefredakteur (seit 1968) des Norddeutschen Rundfunks schon seit langem ein rotes Tuch ist – den Stoltenbergs und Echternachs also –, die günstige Gelegenheit gekommen, den "Abtreibungs-Apologeten" ins Abseits zu treiben, ihm den Laufpaß zu geben? Ende des Jahres, immerhin, läuft Merseburgers Vertrag aus.

Nixons Philippika

Einen Tiefpunkt der amerikanisch-europäischen Beziehungen zeigt die Philippika an, die Präsident Nixon am vergangenen Freitag über den Atlantik schickte.

Aktuelle Krisenherde

Bei israelisch-syrischen Panzer- und Artilleriegefechten an der Golanfront wurde am Dienstag ein finnischer UN-Beobachter schwer verwundet.

Noch Schonfrist

Achtzehn Tage nach den britischen Unterhaus-Wahlen bestand der neue Premierminister Wilson am Montag die erste Kraftprobe im Unterhaus.

Streit um Akkreditierung

Als eine „Anerkennung durch die Hintertür“ betrachtet die Bonner Opposition die Vereinbarung zwischen Bonn und Ostberlin, die Leiter der Ständigen Vertretungen beim Staatsoberhaupt des jeweiligen Gastlandes akkreditieren zu lassen.

Wieder Guerillakrieg in Kurdistan

Wollte man bei den Karl-May-Festspielen in Bad Segeberg „Durchs wilde Kurdistan“ aufführen – Mustafa Barsani könnte die Hauptrolle spielen, so unverfälscht gleicht er den orientalischen Helden des Jugendschriftstellers.

Ohne Republikaner

Die 36. Nachkriegsregierung Italiens unterscheidet sich von der vorherigen, die wegen Koalitionsstreitigkeiten um die Wirtschafts- und Kreditpolitik zurückgetreten war, nur durch das Fehlen der Republikaner.

Der „Preuße“ Brasiliens

In Brasilien ist am Freitag voriger Woche der 65jährige Ernesto Geisel als brasilianischer Präsident vereidigt worden. Die Zeremonie fand unter strengen Sicherheitsmaßnahmen statt: die Kontrolleure verweigerten sogar dem neuen Industrieminister, einem aus Japan stammendem Brasilianer, wegen seines „fremden“ Aussehens den Zutritt.

Wahlsieger CDU

Mit erheblichen Stimmengewinnen ist die CDU, mit einer erneuten Wahlschlappe die SPD aus den Kommunalwahlen von Rheinland-Pfalz hervorgegangen.

Keine Beweise

Einstimmig billigte das interfraktionelle Gremium der neun Abgeordneten den Antrag der Berichterstatter Schäuble (CDU) und Kleinen (FDP), wonach „die Behauptung des Zeugen Steiner nicht erwiesen ist, der Zeuge Wienand habe im Zusammenhang mit der Abstimmung über das konstruktive Mißtrauensvotum den Zeugen Steiner durch Hingabe von 50 000 DM in unlauterer Weise beeinflußt.

Wieder genug Öl

Der westdeutsche Ölbedarf wird von arabischer Seite wieder voll gedeckt. Die Erdölminister von neun Förderländern stuften die Bundesrepublik und auch Italien am Montag auf einer Konferenz in Wien als „befreundete Nationen“ ein.

Eine deutsche Kassandra

Es ist nie zu spät, das Gute zu tun. Es ist nicht zu spät dafür, daß Europa mit einer Stimme spricht. Und wenn die ‚Neun‘ es nicht können, dann sollten es weniger als neun tun, notfalls und für den Anfang nur zwei.

Die Chance für Willy Brandt

Seine Eindrücke von der Diskussion sozialdemokratischer Abgeordneter mit den Schriftstellern Böll, Grass und Troll schildert Hartmut Jäckel.

Ein Raubtier beschwert sich

mein Alter verbietet mir, Ihnen meine Verehrung auszudrücken; lassen Sie mich dieses Wort durch "Respekt" ersetzen. Keinem lebenden Schriftsteller verdanke ich so viel wie Ihnen.

Wolf gang Ebert: Wunsch-Brandt

Wir von der Amateurabteilung des „Vereins der Kanzler-Ratgeber“ wünschen uns einen Kanzler, der im Kabinett etwa so auftritt: Die Minister sitzen um den Kabinettstisch, die Saaltüre wird aufgerissen, eine Stimme: „Achtung, der Kanzler!“ Die Minister erheben sich.

Die Kelten kommen

Zweihundertsechsundneunzig Tories und vierzehn Liberale verzichteten darauf, der neuen britischen Labour-Regierung eine Niederlage beizubringen – schon jetzt, muß man hinzufügen.

Ungewöhnliches Angebot

Wie ein Seestern greift die 20 000-Einwohner-Schwarzwaldstadt Schramberg in fünf Täler hinein, und wie ein Seestern seine Saugnäpfe streckt die Gemeinde ihre Fühler nach einem neuen Oberbürgermeister aus.

Linke Konflikte

Ausführlich berichtete Rudi Arndt, Oberbürgermeister von Frankfurt und Mitglied des SPD-Unterbezirksvorstandes, dem SPD-Vorstand in Bonn über die Lage in seiner Stadt.

Wind im Rücken

Folgt man Kultusminister von Oertzen, dann verhalten sich die Wähler in Niedersachsen anders als in Hamburg: Bei den Wahlen zum Landtag in Hannover, so versichert der Minister guten Mutes, wird es am 9.

Rückschlag für die SPD

Immerhin 7,7 Punkte Zuwachs für die CDU, 0,7 Prozent plus für die FDP, ein Verlust von 5,8 Punkten für die SPD, von 1,4 Punkten für die Wählergemeinschaften und von 1,5 Punkten für die NPD: So lautet das Ergebnis der rheinland-pfälzischen Kommunalwahl, wenn man nur die Ergebnisse in den Kreistagen und Stadträten der kreisfreien Städte betrachtet.

Kippekausen kippt

Wie schnell sich im Wohnungsbau als schlecht erweist, was gestern als gut gepriesen wurde, zeigt sich am Demonstrativbauvorhaben Kippekausen bei Köln.

Kloster-Barbarei?

In ehrlicher demokratischer Empörung" unterzeichneten Bürger aus Ravensburg und Weingarten einen offenen Brief an den badenwürttembergischen Kultusminister, in dem sie gegen den "nicht wieder gutzumachenden Schaden an einem der bedeutendsten Baudenkmäler des süddeutschen Raumes" protestierten.

„Feinde zu hassen ist leichter, als Feinde zu lieben“

Als Bertrand Russell 1920 die Eindrücke seiner Rußlandreise zusammenfaßte, kam er zu dem Ergebnis, man müsse sich mit dem Problem auseinandersetzen, wie sich die Gewaltanwendung im Übergangsstadium verringern ließen.

Der erste Exodus aus Danzig

Erwin Lichtenstein: „Die Juden der Freien Stadt Danzig unter der Herrschaft des Nationalsozialismus“; Schriftenreihe wissenschaftlicher Abhandlungen des Leo Baeck Instituts, Bd.

Das Risiko der direkten Demokratie

Die Demokratie hat unbestreitbar ihre Probleme. Trotzdem ist gerade dieser Terminus ähnlich tabuisiert worden wie etwa „der Frieden“ oder „die Freiheit“.

Goethe vor uns, wir vor Goethe

Fast verächtlich schiebt Emil Staiger mit den ersten Sätzen des Vorworts zu seinem dreibändigen Goethe-Buch die Frage von sich: Hat er uns heute noch etwas zu sagen? Ironisch heißt es im Text vom Jahre 1952: "Mythische, tiefenpsychologische, soziologische, existentialistische Goethe-Bilder werden der Reihe nach aufgestellt.

Wem dient das Museum?

Ende letzter Woche tagte der Deutsche Museumsbund in Frankfurt/Main. Man machte sich Gedanken über Themen wie Museum und Umwelt, Museum und Gesellschaft, Museum und Kunst.

Greif zur Feder, Mime!

Hildegard Knefs „Geschenkter Gaul“ war ein trojanisches Pferd: es barg eine ganze Heerschar mehr oder weniger prominenter Kollegen, die offenbar nur darauf gewartet hatten, Selbstverfaßtes auf den Markt zu werfen.

Zeitmosaik

Gehe nie vor Gericht. Schluck deinen Stolz und vergleiche dich. Meide Rechtsanwälte. Sie werden deine Sache nie zu der ihren machen, sondern versuchen, sich zu arrangieren.

Filmtips

„Starker Verkehr“ von Ralph Bakshi. „Die Legende von Paul und Paula“ von Heiner Carow. „Angst essen Seele auf“ von Rainer Werner Fassbinder.

Vergangenheit als Gegenwart

Museum ist noch möglich", sagt Direktor Hugo Borger und überreicht vierzehn Tage nach Eröffnung des Römisch-Germanischen Museums dem 100 000.

Schallplatte

Die Faszination währt die ganze Platte lang, es gibt keinen Augenblick des Leerlaufs, der Routine. der Ermüdung. Chris Hinze, ein klassisch trainierter Flötist, macht mit seinem holländischen Quintett eine dichte, atmosphärische Musik von ungewöhnlicher Klangschönheit.

+ Weitere Artikel anzeigen