Vormarsch der Konservativen an den Schulen – Die Linken verlieren Boden

Von Volker Mauersberger

Jungsozialisten wie Jungdemokraten bekommen gegenwärtig zu spüren, daß sich die Landschaft der Jungwähler zu ändern beginnt. Was die eloquente Juso-Vorsitzende Heidemarie Wieczorek-Zeul als "konservatives Potential an deutschen Schulen" beschrieb und was der Jungdemokraten-Vorsitzende Theo Schiller kürzlich als "rechte Basismobilisierung" charakterisierte, ist in Wirklichkeit eine zunehmende Neigung für gemäßigte und konservative Positionen, An den Universitäten deutet sich das bisher freilich nur an, während es an den Gymnasien schon unübersehbar ist: Hier vollzieht sich ein Ruck nach rechts, der den Bundesgeschäftsführer der Jungen Union, Peter Helms, zu dem Ausspruch ermutigte: "Da ist eine Umkehr im Gange, die noch vor einem Jahr völlig undenkbar war."

Die Nachwuchsorganisation der CDU, die Junge Union, erlebt, fast unbemerkt von der Öffentlichkeit, einen Zulauf, der selbst ihrem neuen Vorsitzenden Matthias Wissmann rätselhaft erscheint. Während die Jungsozialisten mit den verschiedenen Interpretationen ihrer Konfliktstrategie ständig im Gerede waren, führte der biedere Zuruf der Jungen Union "Steh nicht abseits... tu was" in aller Stille zum Erfolg. Innerhalb von zwei Jahren hat die Junge Union ihre Mitgliederzahl von 120 000 auf 180 000 vergrößern können und nähert sich unaufhaltsam der Zweihunderttausendgrenze. Damit hat sie zwar noch längst nicht den Mitgliederstand der Jungsozialisten (400 000) erreicht, aber doch erheblich aufgeholt.

Nachhilfe für die Schwachen

Wissmann, der mit einer vorsichtigen Absetzbewegung von der Mutterpartei das Terrain bei den Jungwählern systematisch vorbereitete, schuf auch die organisatorische Voraussetzung für eine Wählerbewegung besonderer Art: Gegen das buntscheckige Gemenge linker Schülerorganisationen setzte er 1972 – damals noch Landesvorsitzender der jungen Union in Baden-Württemberg – im Jahre 1972 die "Schüler-Union". Seit Wissmann in seiner Heimatstadt Ludwigsburg zum erstenmal ein Klassenzimmer betrat, um Sekundaner und Primaner vom Wert seiner soeben gegründeten "Schüler-Union" zu überzeugen, ist diese Organisation auf über zwanzigtausend Mitglieder angewachsen. Ziel der Schüler-Union ist eine "langfristige politische Klimaänderung in der Schülerschaft". Im Leitfaden für die neue Nachwuchstruppe heißt es: "Die Schülerarbeit der Jungen Union darf sich nicht nur als Reaktion auf die Aktivität linksradikaler Gruppen verstehen, sondern muß offensiv den Schülern Hilfestellung zur Selbstorganisation geben."

Im sozialdemokratisch regierten Hessen ist die mit der Jungen Union verbundene Schüler-Union inzwischen zur größten Schülerorganisation geworden. Ihr unter dem Etikett "Vereinigung konservativer Schüler" figurierender Ableger ist an allen zwölf Gymnasien der Stadt Frankfurt vertreten und besitzt mittlerweile über zweihundert Mitglieder. In Mainz operiert mit wohlwollender Duldung des CDU-Parteivorsitzenden Helmut Kohl eine "christlich-demokratische Schülervereinigung", die mit gleichgestimmten Pennälern in anderen Bundesländern intensive Beziehungen unterhält. Vor allem die überregionale Pennäler-Postille "Schüler-Journal", die in einer Auflage von 150 000 Exemplaren vertrieben wird, sorgt für die nötige Kommunikation: Mit Befriedigung konnten deren Redakteure kürzlich melden, daß der "Bund demokratischer Schüler" im Mitverwaltungsbezirk von Düsseldorf zur einflußreichsten Gruppierung angewachsen ist und dort seit kurzem den Stadtschülersprecher stellt.