Köln

Wie schnell sich im Wohnungsbau als schlecht erweist, was gestern als gut gepriesen wurde, zeigt sich am Demonstrativbauvorhaben Kippekausen bei Köln. Hier, im Wahlkreis von Paul Lücke, wurde in den frühen sechziger Jahren demonstrativ verwirklicht, was dem damaligen Bundeswohnungsbauminister und anderen im Lande als erstrebenswert galt: Eigenheime im sozialen Wohnungsbau.

Planer entwarfen Reihenhäuser mit engbrüstigen Wohnzimmern, kleinen Schlafzimmern und Handtuchgärten an schmalen Sackgassen. Die allgemein als gelungen gepriesene Lösung stand auf dem Besichtigungsprogramm, wenn Besucher aus dem nahen Bonn durch zukunftsweisenden Wohnungsbau zu führen waren.

Inzwischen ist das Schaugebiet zum Problemgebiet geworden. Die ersten Schwierigkeiten kamen mit den Autos der Bauherren, die bei Antragstellung finanziell eher schwach waren, später jedoch teilweise zu Wohlstand gelangten. Die von den Planern ausgewiesenen Abstellflächen reichten schon nicht für die Erstwagen aus, geschweige denn für später hinzukommende Zweit- und Drittwagen. Die Straßen boten wenig Reserven; aus den Grundstücken war Garagenland nur beschränkt zu schneiden. Außerdem störten Garagen das planerische Konzept. Ergebnis: Die Schlafstadt Kippekausen ist heute nachts schlimmer vollgeparkt als manche Citystraße.

Dem Autoproblem folgte der Wunsch der Sozialheimer nach mehr Wohnraum. Die Lokalausgabe des Kölner Stadt-Anzeiger meldete „eine Flut von Bauanträgen“. Denn in den bescheidenen Maßen des sozialen Wohnungsbaus mag sich heute ein durchschnittlicher Hausbesitzer nicht mehr wohlfühlen. Die meisten Anträge, Wohnraum für Stereoanlagen, studierende Kinder oder das Image zu gewinnen, scheiterten am Willen der Planer, den Charakter der Mustersiedlung zu erhalten. Daß einige doch bauen durften (oder ungestraft übers Wochenende schwarz bauten), hat zur Abwanderung enttäuschter abgewiesener Siedler und zu der öffentlichen Diskussion geführt, wer es wohl in Kippekausen verstünde, erfolgreich zu klüngeln.

Zehn Jahre nach der Demonstrativphase ist das Bauvorhaben Kippekausen auf dem Wege, Gegendemonstrationsobjekt für die einstmals heiligen Güter der Nation, „Klein, aber mein“ zu werden.

Die Entwicklung zum „schöneren Wohnen“ in Kippekausen haben einige der Geförderten allerdings bereits bei der Grundsteinlegung schlau erkannt: Sie ließen sich unter die Terrassen gleich die Erweiterungsfundamente heimlich mit einbetonieren. Friedrich K. Kurylo