ARD, Sonntag, 17. März: "Tatort – Playback oder die Show geht weiter", von Henner Höhr, Regie Rolf von Sydow

Die Kollegen vom Fernsehen entfalteten in den Programmen der letzten Woche eine geradezu exhibitionistisch anmutende Neigung, sich mit sich selber zu beschäftigen. Vorwiegend medizinischen und gesellschaftspolitischen Diskussionen über Merseburgers Panorama-Debakel, die im Dritten Programm (Hamburg und Bremen) am Freitag zu hören waren, folgten vorwiegend rundfunkrechtliche und publizistische Überlegungen zur gleichen Panorama-Sendung im "Glashaus" am Sonntag. Der Analyse einer Fernsehreportage, diesmal im ZDF, am Montag, ging am Sonntag ein Blick hinter die Kulissen einer Fernsehshow voraus, als Krimi getarnt.

Nun wissen wir allmählich bald mehr, als wir wollen, über Schaltkonferenzen von Intendanten wie über Maz-Abfahrten, Kameraschwenks und Künstlerlaunen.

Seit langem schon ist es Ehrgeiz der Tatort-Autoren, eine Kriminalhandlung zum Transportmittel für anderes zu benutzen; für irgendwelche Probleme zumeist, die ihnen als "gesellschaftlich relevant" erscheinen. Die Krimihandlung wird dabei oft mit so viel Gedankenfracht beladen, daß sie untergeht. Kein deutscher Autor will "nur unterhaltend" sein.

Auch diesmal wurde die freie Spielhandlung erstickt, vom Milieu. Es war alles echt: von der Schlagersängerin Heidi Brühl, die sich selber sang und spielte, bis zu den Studios des Südwestfunks, die der Ort der Handlung sowohl für den Film wie für das Drehen dieses Filmes waren.

Es gab kaum je eine anschaulichere, treffendere und amüsantere Reportage aus dem TV-Showgeschäft. Viele Zuschauer dürften sich mit dem Kommissar wenigstens insoweit identifiziert haben, als er das alles ziemlich widerwärtig fand: dieses Aufeinanderplatzen von Eitelkeiten, Hysterie und Zynismus in einem für Nicht-Infizierte schwer erträglichen Jargon.

Und getrunken wird da, es wird dauernd getrunken! Sogar die Polizei trinkt mit und setzt sich hinterher ans Steuer ihres Autos – wobei der Kommissar vorsichtigerweise dem Mann von der mittleren Laufbahn, die eigentlich die niedere ist, das Steuer überläßt.