Von Wolfgang Hoffmann

Im Norden wie im Süden der Bundesrepublik sorgen sich die deutschen Luftfahrtunternehmer um die Zukunft ihrer Branche. Franz Cesarz, Sprecher der Vereinigten Flugtechnischen Werke Fokker in Bremen beschwört die Regierung in Bonn: "Dort müssen die politischen Weichen gestellt werden." Gerhard Patt, Sprecher der Dornier AG in München, ergänzt die Forderung: "Wir wollen Wettbewerb. Aber jetzt ist Bonn am Zuge."

Am Zug ist Bonn spätestens seit September letzten Jahres. Damals hatten die elf führenden Luftfahrtunternehmen in Europa beredt Klage über die Lage ihrer Industrie geführt. Namens der deutschen Luftfahrtindustrie malten die Bosse von Messerschmitt-Bölkow-Blohm, VFW/Fokker und Dornier ihre Zukunft in düsteren Farben. Die Regierungen in der Europäischen Gemeinschaft müßten nun endlich handeln, um noch zu retten, was zu retten ist.

Nach Meinung der Industriellen droht Europa sowohl im Bereich der militärischen als auch der zivilen Luftfahrt der Ausverkauf. Schon jetzt beherrschen die Amerikaner zu nahezu dreiviertel den europäischen Flugzeugmarkt. Und der Anteil steigt weiter. Um Beschäftigungseinbrüche der europäischen und deutschen Luftfahrtindustrie (Beschäftigte in Europa: 413 000, in der Bundesrepublik: 52 800) zu verhindern, müßten sich die Bundesrepublik und die übrigen europäischen Länder den Wettbewerbsbedingungen der Amerikaner anpassen. Als Sofortmaßnahmen schlugen die Luftfahrtunternehmen vor:

  • staatliche Förderung des Absatzes durch günstige Kredite, Kredit- und Wechselkursversicherung sowie eine Versicherung gegen die Steigerung der Herstellkosten;
  • staatliche Bürgschaften zur Finanzierung der Serienfertigung sowie
  • massive sonstige Unterstützung der laufenden Programme.

Deutsche und europäische Nachbarn müßten sich vor allem angewöhnen, Flugzeuge in Europa und nicht aus Übersee zu kaufen. "Wenn die Fluggesellschaften weiterhin amerikanisches Gerät gleichwertigen europäischen Geräten vorziehen, so werden, beachtliche finanzielle Bemühungen zum Scheitern verurteilt sein", heißt es in der Studie der Industrie an die Adresse der Politiker.

Das Echo auf diese Klagen in Bonn "war indes gleich Null" (Franz Cesarz). Der Luftfahrtreferent im Bonner Wirtschaftsministerium, Ministerialrat Schomerus, meint dazu allerdings, die Forderungen der Industrie seien Sache der EG-Kommission in Brüssel. Schomerus verkennt zwar die Probleme der Industrie nicht, die um den Anschluß an den internationalen Wettbewerb bemüht sei, ein generelles Instrumentarium des Staates zur Unterstützung der Branche werde in Bonn jedoch nicht vorbereitet.